Debian Weekly News - 3. September 2001

Debian für Profis. Das deutsche Computermagazin c't hat in ihrer 17ten Ausgabe eine Untersuchung veröffentlicht, in der die Benutzung verschiedener Linux-Distributionen durch unterschiedliche Benutzergruppen verglichen werden. Ein Ergebnis dieser Untersuchung ist, je mehr die Befragten mit Linux zu tun haben, desto häufiger setzen sie Debian ein anstatt anderer Distributionen wie Mandrake, SuSE oder Red Hat. 28 Prozent der Personen mit mehr als fünf Jahren Linux-Erfahrung bevorzugen Debian, allerdings benutzen nur 3 Prozent der Einsteiger unsere Distribution.

Fehlende Lokalisierung. Der gleiche Artikel kritisiert die fehlende deutsche Lokalisierung in allen Distributionen. Das zeigt, dass wir mit unseren Projekten wie der Übersetzung von Paketbeschreibungen, übersetzten Boot-Floppies und übersetzten Texten für viele Pakete auf dem richtigen Weg sind, um die Akzeptanz auch bei den nicht ganz so sattelfesten Englisch sprechenden Benutzern zu steigern.

Lintian-Berichte sind zurück. Josip Rodin hat angekündigt, dass die öffentlichen Lintian-Berichte für alle Pakete wieder online sind. Sie finden die Berichte jetzt sortiert nach Paketnamen, Betreuer oder nach Lintian-Tags. Die Hauptseite auf http://lintian.debian.org/ zeigt zudem einige interessante Statistiken.

Neues Layout für lists.debian.org. Joy hat eine anstrengende Woche gehabt, er hat ebenfalls bekanntgegeben, dass es ein neues Layout für das öffentliche Web-Archiv unserer Mailinglisten unter https://lists.debian.org/ gibt. Die Hauptseite zeigt jetzt nur noch auf Index-Seiten für Entwicklung, Anwender, Internationalisierung, Verschiedenes etc. Das sollte die Ladezeit für die Übersichts-Seiten drastisch reduzieren, da sie keine Verweise mehr auf alle Listen enthalten, viele Personen haben diese Änderung gewünscht.

Koordinierung der GPG-Signierung. Um in Debians Web-of-Trust zu gelangen, müssen potenzielle Debian-Entwickler einen bereits akzeptierten Entwickler persönlich treffen, um ihren GnuPG-Schlüssel (GPG) signieren zu lassen. Obwohl ungefähr 900 Debian-Entwickler über die gesamte Welt verteilt sind, ist es oftmals schwierig, einen in der Nähe zu finden. Um die Koordination solcher Signierungs-Treffen zu unterstützen, hat Martin Michlmayr eine Webseite erstellt, auf der potenzielle und vorhandene Entwickler ihren Aufenthaltsort eintragen können. Zukünftige Entwickler können jetzt auf einen Blick sehen, ob jemand in der Nähe bereit ist, sie zum Signieren der GPG-Schlüssel zu treffen oder sich eintragen, damit ein existierender Entwickler mit ihnen Kontakt aufnehmen kann.

Nicht-PIC-Code mit PIC-Code zu Bibliotheken linken. Eine Diskussion kam auf debian-devel auf, die sich mit dem Problem befasst, PIC- (positionsunabhängiger code) zusammen mit nicht-PIC-Code in der gleichen dynamisch gelinkten Bibliothek zu linken. PIC-Code wird in dynamisch gelinkten Bibliotheken (so genannten Shared Libraries) (Endung .so) benutzt, während nicht-PIC-Code bei statischen Bibliotheken (Endung .a) Verwendung findet. Der Thread behandelt für diejenigen, die es nicht bereits wussten, einige Details über die Art und Weise, wie unter Linux dynamisch gelinkt wird.

Fehlende Red Hat-Kompatibilität. Ein Problem wurde mit Programmen entdeckt, die auf einem aktuellen Red Hat-System übersetzt wurden. Der Grund dafür liegt in der Wahl des C++-Compilers (2.96) für das Release von Red Hat. Unglücklicherweise haben sie einen Compiler verwendet, der niemals freigegeben wurde und der Binärdateien erzeugt, die inkompatibel mit denen älterer als auch mit denen neuerer Versionen sind. Das prekäre an dieser Situation ist, dass viele kommerzielle Hersteller Red Hat-Systeme unterstützen und ihre Software auf einem solchen Rechner übersetzen. Diese Software wird schlicht und ergreifend nicht auf anderen Systemen laufen, was Firmen davon abhalten könnte, Debian oder andere Distributionen auf ihren Produktionssystemen einzusetzen. Das gleiche Problem ist SuSE im Mai 1999 passiert, als sie eine nicht freigegebene Version von egcs in ihrer Distribution verwendet haben, was zu dieser Ankündigung geführt hat.

ReiserFS mit Debian? Eine Reihe von Personen möchten Debian auf einem Reiser-Dateisystem laufen lassen, um von seinem Journaling und der dramatisch reduzierten fsck-Zeit zu profitieren. Debian unterstützt ReiserFS noch nicht offiziell in den Boot-Floppies. Auf freshmeat sind jedoch zwei Projekte aufgeführt, die Boot-Floppies von Debian und Unterstützung für ReiserFS behandeln.

Abschnitte für doc-base. Yoshito Komatsu hat herausgefunden, dass es keine Policy, Howto oder sonstiges Dokument gibt, das uns sagt, welche Abschnitte für welche Art von Dokumentation benutzt werden soll, wenn sie mit doc-base registriert wird. Eine Möglichkeit, damit zurecht zu kommen, besteht darin, die Menü-Abschnitte als Richtlinie zu nutzen. Yoshito hat schließlich einen Vorschlag für eine Howto für doc-base-Abschnitte gemacht.

Boxed Penguin enthält Debian GNU/Linux. Mekinok Systems Engineering hat Boxed Penguin: Instant Infrastructure vorgestellt. Dieses Produkt verwendet Debian GNU/Linux und ergänzt es durch zusätzliche Pakete, die die meisten üblichen Teile der Software-Infrastruktur einer Firma in ein einziges System integriert. Das System besteht aus freier Software, so dass das Produkt selbst frei ist. Mekinok hofft, durch Support Geld zu verdienen.

Schwere Zeiten für Security. Wichert Akkerman, Mitglied des Debian Security Teams, hat eine E-Mail veröffentlicht, in der er Probleme mit Security-Uploads und den Architekturen skizziert, die mit Woody veröffentlicht werden. Zurzeit muss das Security-Team sechs Architekturen (alpha, arm, i386, m68k, powerpc, sparc) unterstützen. Mit dem Release von Woody kommen möglicherweise noch fünf weitere Architekturen (ia64, hppa, mips, mipsel, s390) hinzu. Die Software auf sechs Architekturen zu kompilieren, ist bereits aufwändig, sie jedoch auf elf Maschinen zu kompilieren, ist noch mehr zeitfressend. Eine mögliche Lösung ist die Verwendung vom rbuilder für alle Architekturen, so dass die Kompilierung per E-Mail angestoßen werden kann.

Upload-Regeln im Freeze. Der Release-Manager, Anthony Towns, hat eine Bitte veröffentlicht, keine weitreichenden Änderungen am Base-System während dieser Stufe des Einfrierens vorzunehmen, als Vorbereitung auf das nächste Release. Änderungen sollten auf das absolut benötigte Minimum reduziert sein, um das Paket für das Release anzupassen. Der Fokus für Base-Pakete besteht im Beheben von veröffentlichungskritischen Fehlern, andere Fehler und Wünsche können ebenfalls erledigt werden, solange die Korrektur nur minimale Änderungen vornimmt, damit keine neuen Fehler eingeführt werden. In seiner Bitte ist zudem eine Liste der Base-Pakete enthalten.

Experimentelle Berlin-Pakete. Bastian Blank hat vorläufige Pakete vom Berlin Display Server angekündigt. Berlin ist ein Fenster-System, das auf Fresco aufbaut, einem mächtigen, strukturierten Grafik-Toolkit. Berlin erweitert Fresco zu einem kompletten, Netzwerk-transparenten Fenster-System, das nicht auf X basiert ist.

Debian auf Cygwin portieren? Klingt das nicht verrückt? Auf debian-devel hat jemand eine Diskussion über die Portierung von Debian auf die Cygwin-Umgebung von Cygnus losgetreten, die auf einem wohlbekannten nicht-freien System läuft. Es ist ziemlich unklar, wie die Architektur benannt werden soll, doch wäre das eines der ersten Dinge, die benötigt würden, damit dpkg wie gewünscht funktioniert.

Probleme mit LVM. Ein ernsthaftes Problem hat sich mit dem Logical Volume Manager (LVM) und dem aktuellen Debian unstable herausgestellt. Das Problem ist relativ trickreich, da LVM initialisiert werden muss, bevor alle Dateisysteme eingebunden werden, es kann jedoch nicht korrekt initialisiert werden, da es die Datei /etc/lvmtab schreiben möchte, was fehlschlagen wird, bevor das Root-Dateisystem eingebunden ist, was wiederum unter Umständen nicht eingebunden kann, da es auf einem LVM-Volume liegt. Der Betreuer hat eine mögliche Lösung vorgeschlagen. Eine andere Lösung wäre die Verwendung einer Initial RAM-Disk.

Problem mit Schriften. Es wurde berichtet, dass sich Schriften unter Linux in keinem zufrieden stellenden Zustand befinden. Das Problem besteht größtenteils darin, dass einige Applikationen blockartige Schriften verwenden, Bitmap-basierte Schriften, die vergrößert werden. Als Übung muss man nur eine Schriftart in xfig benutzen, sie vergrößern, das ganze nach Postscript exportieren und mit ghostscript anschauen. Einige Techniken wie Anti-Aliasing und Sub-Pixel Font Rendering können Teile des Problems lösen, das erfordert jedoch Anpassungen im X-Server und den Applikationen. Ein interessantes Projekt wurde während der Diskussion erwähnt: PfaEdit - Ein Editor für Postscript-Schriften.

Deutsche Debian-Nachrichten. Joey hat ein Experiment gestartet und die Einrichtung der Mailingliste debian-news-german beantragt. Die Liste ist moderiert und wird Debian-Nachrichten und -Ankündigungen enthalten, die ins Deutsche übersetzt wurden. Während der letzten Monate wurden Übersetzungen nur transparent auf www.debian.org gemacht sowie auf linux-community.de. Immer wieder treffen wir jedoch Personen, die Englisch nicht fließend sprechen und eine deutsche Nachrichten-Liste bestimmt begrüßen würden. Wir werden herausfinden müssen, ob diese Liste von unseren Deutsch sprechenden Benutzern akzeptiert wird oder nicht.

Neueste Sicherheits-Hinweise

Wenn Sie einige dieser Pakete auf Ihrem System installiert haben, sollten Sie so schnell wie möglich aktualisieren.

Neue Pakete

Übersetzung

Wir haben eine Menge Interesse erhalten, DWN zu übersetzen. Wenn Sie noch nichts von uns gehört haben, werden wir bald von uns hören lassen.


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Hier gibt es ältere Ausgaben dieser Nachrichtenseite.

Diese Ausgabe der wöchentlichen Debian-Nachrichten wurde von Joe 'Zonker' Brockmeier und Martin 'Joey' Schulze erstellt.