Debian Weekly News - 28. Januar 2003

Herzlich willkommen zur vierten Ausgabe von DWN in diesem Jahr, dem wöchentlichen Debian-Rundbrief! Kürzlich hat Netcraft Debian zur Liste der Betriebssystemhersteller hinzugefügt. Und nachdem das Sicherheitsteam nun alle Puzzlestücke zusammensuchen konnte, hat es einen ganzen Stoß Sicherheitswarnungen für Woodys KDE herausgegeben. Nur ein Paket konnte auf zwei der Architekturen nicht kompiliert werden.

Neue funktionierende Netzwerkinstallationsdiskette. Matt Kraai verkündete stolz, dass er erfolgreich mit einer speziell angepassten, auf Debian-Installer beruhenden Debian-Netzwerkinstallations-Diskette Sarge (testing) installiert hat. Matt hatte herausgefunden, dass er angepasste "ethdetect"-, "netcfg-dhcp"- und "netcfg-static"-Pakete brauchte und die Option "edit sources list by hand" wählen musste, um Probleme mit der Basiskonfiguration zu vermeiden. Er wäre dankbar, wenn man sein Disketten-Image testen würde und gefundene Fehler melden könnte.

Fehler-Website für Debian-Installer. Matt Kraai fragte, wo es denn wohl eine zusammenfassende Seite mit den Fehlern im Debian-Installer gäbe. Er dachte an etwas im Stil der Fehler-Website des Basissystems. Colin Watson hat daraufhin prompt eine solche Seite erstellt. Diese Seite führt die Fehler in Paketen auf, die für den Debian-Installer relevant sind. Petter Reinholdtsen war mehr an den Paketen interessiert, die von den Programmierern des Debian-Installers gepflegt werden. Er benutzt diese Übersicht.

Cross-Compiler für x86-64 Hardware. Arnd Bergmann hat einen Cross-Compiler paketiert, der Binärcode für AMDs x86-64 Architektur erzeugen kann. Er und einige andere sind dabei, vorbereitende Arbeiten für einen x86-64-Port von Debian mit Hilfe des Hardware-Emulators Bochs zu leisten.

Debian-Projektleiterwahlen. Manoj Srivastava setzte uns über die kommende Wahl des Debian-Projektleiters in Kenntnis. Kandidatenvorschläge können ab heute, dem 24.1.2003 bis zum 14.2.2003 00:00:00 UTC eingereicht werden. Die Wahl wird am 7. März 2003 00:00:00 UTC beginnen und wird am 28. März 2003 00:00:00 UTC enden. Kandidaten für den Posten sollten sich mit der Konstitution auskennen. Manoj wird die Wahlkampfprogramme der Kandidaten sammeln und am Ende der Nominierungsperiode veröffentlichen und damit den Wahlkampf eröffnen.

Neues vom PTS. Raphaël Hertzog hat einen Bericht zum Status des Package Tracking Systems (PTS) geschickt. Gemeinsam mit Michael Bramer, der das Debian Description Translation Project (DDTP) betreut, hat er die beiden Systeme kombiniert. Neue Links verweisen zu den Seiten, auf denen man alle Übersetzungsalternativen der Pakete sehen kann. Dort kann man dann einfach die Übersetzung wählen, die man gerne hinzufügen möchte.

Neuer Projektleiter für Debian-Edu gesucht. Raphaël Hertzog gestand, dass das Debian-Edu-Unterprojekt im Wesentlichen stagniert. Er meint, das sei seine Schuld, weil er nicht die nötige Zeit investieren konnte. Darum sucht er gegenwärtig nach jemandem, der Lust hätte, das Projekt weiterzuführen. In diesem Zusammenhang ist auch wissenswert, dass die monatlich erscheinende TUX&GNU@school-Kolumne über freie Bildungssoftware informiert und die aktuelle Ausgabe einen Artikel über Debian und Schulen enthält.

Gesteigertes Interesse an Debian. DesktopLinux.com interviewte Debian-Projektleiter Bdale Garbee, der von seinen Eindrücken und Gedanken nach einem Jahr erzählte, in dem auf Debian basierende Produkte auf den Markt kamen. Bdale meint, das gesteigerte Interesse an Debian hinge mit seiner völlig unkommerziellen Art und der hochwertigen Gemeinschaft zusammen. Unter den großen GNU/Linux-Distributionen sei Debian am nächsten an den Idealen und Prozessabläufen, die GNU/Linux zu etwas Besonderem machten.

Lässt Debians Qualität nach? Erik Steffl meinte, Debian unstable enthalte gegenwärtig besonders viele kaputte Pakete. Er benutze bereits seit vielen Jahren unstable und habe gewöhnlich keine Probleme. Einige größere Umwälzungen sind wohl die Ursache für diese Probleme: Die Perl- und Python- Übergänge sind gerade relativ gut über die Bühne gegangen. Die Glibc-, GCC-, GNOME- und libpng-Übergänge dauern noch an, und der KDE-Umbruch hat noch nicht einmal begonnen.

Offizielle Sarge Netzwerkinstallations-CDs. Santiago García Mantinan hat angekündigt, dass ab sofort jede Woche Netzwerkinstallations-CDs für Testing (Sarge) für i386 veröffentlicht würden. Es wird zwei verschiedene Images geben: Ein kleines (41 Mbyte), für das eine Netzwerkverbindung nötig ist, und ein größeres (83 Mbyte), das eine komplette Basisinstallation durchführen kann. Diese Images sind dazu gedacht, den neuen Installationsablauf zu testen und Rückmeldungen zu bekommen.

Schleichende Umfangsänderung der DDP-Policy. Adam Di Carlo war der Meinung, dass die Debian-Dokumentations-Projekt (DDP) Richtlinie, die zurzeit erarbeitet und diskutiert wird, ihren Umfang zu weit steckt und in dieser Form niemals implementiert wird. Der gegenwärtige Vorschlag sieht z.B. jegliche Dokumentation, die irgendein Bedürfnis eines Debian-Anwenders abdeckt, als Teil des Debian-Manuals. Adam meint, dies sei zu hoch gegriffen und ein Grund für das Stocken der DDP-Regelwerks. Sein Vorschlag ist, das DDP auf Dokumentation zu begrenzen, die vom DDP selbst verwaltet wird.

Debian GNU/Linux ist die "Preisgünstigste Lösung". Das schwedische Computermagazin Mikrodatorn veröffentlicht einen Vergleichstest zwischen verschiedenen GNU/Linux-Distributionen als Serverbetriebssystem in ihrer Ausgabe vom Januar 2003. Debian wurde mit Mandrake, Red Hat, Slackware und SuSE verglichen und wurde als die "Preisgünstigste Lösung" ausgezeichnet. Die Begründung war, dass Debian eine ebenso gute Softwareauswahl wie SuSE habe, aber komplizierter zu handhaben sei. Der Preis sei aber sehr attraktiv, da das System kostenlos heruntergeladen werden könne und sonst nur 279 Schwedische Kronen (30 Euro) koste.

Bericht von der LWCE. Während der letzten Woche war das Debian-Projekt auf der Linuxworld Conference & Expo (LWCE) in New York mit einem Stand vertreten. Laut LinuxToday war diese Konferenz anders als frühere Linuxworlds. So erhielt z.B. Microsoft einen Open-Source-Preis für eine proprietäre Applikation. Clint Adams, ein Debian-Entwickler, berichtete von vielen Softwarehändlern, die vorbeikamen und mit Debian Partnerschaften eingehen wollten und nach Debians Geschäftsmodell fragten. Diese Händler hatten Probleme zu verstehen, dass Debian so etwas nicht hat.

Open-Source-Spiele und Schummeln. Joachim Breitner hatte bemerkt, dass Spiele bei Jugendlichen Interesse und Fähigkeiten für Computern wecken. Debian braucht diese Jugendliche als Freiwillige. Wenn aber Debian keine beliebten Computerspiele bieten kann (wie z.B. Online-Multiplayer-Spiele) weil sie proprietär sind, werden viele Teenager kommerzielle Distributionen benutzen und nie Freie Software und Debian kennenlernen. Es gibt Hinweise, dass es nichts ausmacht, ob Netzwerkspiele im Quellcode eingesehen werden können oder nicht, um Schummeln zu verhindern.

Pentium-Pro-Optimierungen? Adam Majer kündigte an, dass er einen neuen pbuilder-Durchlauf für Sid gestartet hat. Diesmal würden Pakete für den Pentium-Pro optimiert. Die Pakete, die dabei herauskommen, können für Benchmarks benutzt werden, um die Wirksamkeit der Optimierungen zu überprüfen. Andrew Suffield verwies darauf, dass die GCC-Unterstützung für die i386er-Unterarchitekturen gewöhnlich schlecht ist und schon mehrfach fehlerhaften Code erzeugt hat.

Das Märchen von APT-Pinning. Weil einige Leute zu glauben scheinen, APT-Pinning könne alle Probleme von veralteten Paketen in Stable lösen, beschrieb Adrian Bunk, warum das falsch ist. Stable und unstable zu mischen ist eine schlechte Idee, weil fast jeder Installationsvorgang eines Pakets von unstable eine neue libc erfordert, und vielleicht sogar ein neues Perl- oder Python-Grundsystem. Weil dies dann wiederum neue Pakete von unstable erfordert, bekommt man eine Mischung, die vielleicht Fehler enthält und beraubt sich außerdem des Sicherheitsservices.

Illegale Pakete in Debian? Nach einer längeren Diskussion schickte ein führender Entwickler von MPlayer eine E-Mail mit einer Liste mit Dateien, die sich nach seiner Meinung illegal in Debian befinden. Sie gehören zum libxine1-Paket. Diese Bibliotheken stellen bestimmte Audio- und Videodekoder zur Verfügung, deren Benutzung rechtlich zweifelhaft sein könnte. Ähnliche Probleme verhindern, dass Mplayer ins Debian-Archiv gelangt.

Vereinheitlichung von OSD und DFSG. Russell Nelson schrieb Debian, um Parallelen zwischen der Open-Source-Definition (OSD) und den Debian Free Software Guidelines (DFSG) zu untersuchen. Die Open Source Initiative (OSI) versucht, Differenzen in der Gemeinschaft auszugleichen, um eine geschlossenere Front zu bilden. Obwohl die OSD ursprünglich von den DFSG abgeleitet worden war, wurde sie inzwischen geändert. Heutzutage gestattet die OSI sogar Lizenzen, die "Klick-Wrap" erfordern. Dies wiederum bedeutet eine Einschränkung in der Modifizierbarkeit und widerspricht Punkt drei der DFSG.

Gesponserte Paketbetreuer. Martin Michlmayr gab bekannt, dass es gegenwärtig 191 gesponserte potenzielle "Neue Betreuer" gibt, die bereits Software in Debian pflegen. Allerdings wäre er nicht überrascht, wenn einige dieser Leute gar nicht mehr aktiv wären. Darum wird er nun versuchen, diese gesponserten Betreuer ausfindig zu machen, um deren Pakete als verwaist zu markieren.

Debian auf der FOSDEM und der "Solutions Linux". Das Debian-Projekt hat angekündigt, durch Mitglieder des Projekts auf der Solutions Linux 2003 / Linux Expo France in Paris, Frankreich vom 4. bis 6. Februar und auf dem Free and Open Source Software Developers' Meeting (FOSDEM) in Brüssel, Belgien vom 8. bis 9. Februar vertreten zu sein. Auf der FOSDEM wird Raphaël Hertzog zu Debian-Edu vortragen und Martin Michlmayr wird darlegen, wie man Debian für den Einsatz in Embedded Systems anpassen kann.

Sicherheitsaktualisierungen. Sie kennen es schon, bitte stellen Sie sicher, dass Sie Ihre Systeme aktualisieren, falls Sie eines der folgenden Pakete installiert haben.

Neue oder bemerkenswerte Pakete. Die folgenden Pakete wurden kürzlich dem Debian-Archiv hinzugefügt oder enthalten wichtige Aktualisierungen.

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Diese Ausgabe der wöchentlichen Debian-Nachrichten wurde von Matt Black, Peter Karlsson und Martin 'Joey' Schulze erstellt.