Nachrichten des Debian-Projekts - 2. Dezember 2008

Willkommen zur 16. Ausgabe der DPN in diesem Jahr, dem Newsletter der Debian-Gemeinschaft. Einige der in dieser Ausgabe behandelten Themen sind:

Etch-and-a-half-Installations-Images aktualisiert

Als Ergebnis der Veröffentlichung des ersten Veröffentlichungskandidaten des Debian-Installers (D-I RC1) am 12. November wurden auch die Installer-Images für Etch-and-a-half aktualisiert. Als Konsequenz dieser Aktualisierung wird während der Installation mit den aktuellen Images eine neuere Kernelversion (2.6.26) verwandt. Allerdings bleibt der für das installierte System verwandte Kernel unverändert bei der Version 2.6.24. In einigen Fällen kann dies bedeuten, dass Hardware, die während der Installation unterstützt wird, nicht nach dem Neustart in das installierte System funktioniert, da die Unterstützung hierfür erst nach der Version 2.6.24 hinzugefügt wurde.

Alte Etch-and-a-half-Visitenkarten- und -Netzinst-CD-Images bleiben benutzbar. Alte Netzinst-Images können nicht mehr verwandt werden und müssen durch ein aktuelles Image ersetzt werden. Die Debian-Installer-Website für Etch-and-a-half hat Links zu den neuen Images und zu den Veröffentlichungs-Ankündigungen, die einen Überblick über die Änderungen im Installationssystem geben. Das Debian-Installer-Team bereitet derzeit den zweiten Veröffentlichungskandidaten (RC2) des Lenny-Installers vor. Dieser wird wieder zu einer Aktualisierung der Installer-Images für Etch-and-a-half führen. Die für die Installation verwandte Kernel-Version verbleibt bei 2.6.26.

GNU Affero General Public License für Debian-Main geeignet

Jörg Jaspert veröffentlichte in seiner Position als Mitglied des FTP-Archiv-Teams eine Positionserklärung über die Aufnahme von Werken unter der GNU Affero General Public License Version 3 (AGPLv3) in Main. Kurzgefasst besagt die Erklärung, dass solche Werke für Debian/Main geeignet seien, obwohl die AGPL im Vergleich zu der GNU General Public License (GPLv3) eine zusätzliche Klausel habe. Die besagte Klausel verlangt, dass Software den Quellcode anbietet, wenn ein Benutzer mit ihr aus der Ferne über ein Computer-Netzwerk interagiert.

Treffen der Security-Teams in Essen

Martin 'Joey' Schulze berichtet über das Debian-Security-Treffen, das am 28.-30. November 2008 in Essen in Deutschland stattfand. Mitglieder der Security-Teams von Stable und Testing nahmen ebenso teil wie die Entwickler, die derzeit an Sicherheitsaktualisierungen für das Backports-Archiv arbeiten.

Die Teilnehmer diskutierten Probleme im Hinblick auf zukünftige Arbeit im Bereich Sicherheit im Debian-Projekt und für die Debian-Distribution. Besondere Themen waren die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Teams (sowohl im Hinblick auf die Arbeit als auch im Hinblick auf die Archiv-Verwaltung), sowie die langfristige Unterstützung von Debian GNU/Linux-Installationen, die sich ein Upgrade alle zwei Jahre nicht leisten können (wie dies bei großen Clustern von Debian GNU/Linux-Systemen der Fall sein kann). Notizen, die während der Sitzung erfolgten, werden auf der Mailingliste debian-devel-announce veröffentlicht und in den Debian Project News zusammengefasst werden.

Neue stabile SuiteTelecentro 2.0

Die neue stabile Version der SuiteTelecentro ist jetzt zum Herunterladen von Sourceforge erhältlich. SuiteTelecentro ist eine Anpassung von Debian und wird im Freie-Software-Labor des IT-Direktoriums der Banco do Brasil, der größten und ältesten öffentlichen Bank in Brasilien, gebaut.

Wie in der Debian Times bereits berichtet ist SuiteTelecentro eine GNU/Linux-Lösung, die den Einsatz von Computer mit CPUs mit geringer Leistung und wenig Speicher als preisgünstige Thin Clients erlaubt. Mehr als vier Millionen Benutzer haben jetzt Dank dieses Freien-Software-Projekts Zugang zu einem bezahlbaren Internet-fähigen Computer.

SuiteTelecentro basiert auf Debian GNU/Linux 4.0 (Etch) und LTSP 4.2. Die neue Version 2.0 weist eine leichte Installation und die Verwendung der graphischen Umgebung GNOME auf und enthält die OpenOffice.org-Suite, MySQL, PHP, Apache, MediaWiki und die Ocara Telezentrums-Management-Software.

Veröffentlichungsziel der abhängigkeitsbasierenden Boot-Ordnung erreicht

Petter Reinholdtsen gab bekannt, dass das Veröffentlichungsziel der Unterstützung einer abhängigkeitsbasierten Bootreihenfolge erreicht worden sei. Dies erlaubt es, Systemdienste in einer Reihenfolge zu starten, die aus ihren Abhängigkeiten berechnet wird, statt eine festgelegte Reihenfolge zu verwenden.

Er ergänzte, dass 99,8% aller Pakete in Unstable jetzt die notwendigen Abhängigkeitsinformationen hätten, und diese nur bei zwei Paketen fehlten. Allerdings würden mehr Tester benötigt, um Probleme mit derzeit ungetesteten Kombinationen von Paketen zu finden.

Wettbewerb um Debian-Fehler #600000 und #1000000

Christian Perrier gab bekannt, dass mit Erreichen der Marke von Fehler #500000 am 24. September 2008 die Debian-Entwickler und -Beitragende eine neue Herausforderung benötigten. Daher wurde wieder ein kleiner Wettbewerb eingerichtet. Das Prinzip ist sehr einfach: Teilnehmer sollen eine Wette (eine pro Person) über den Tag, an dem Fehler #600000 und #1000000 berichtet werden, eingehen. Der Gewinner wird die Person, die ihre Wette so nahe wie möglich an den echten Momenten platziert hat, an dem Fehler #600000 und #1000000 berichtet wurde.

Die Wettseite wird im Debian-Wiki betrieben. Am 31. Dezember 2008 wird sie geschlossen. Wetten werden statisch aufbewahrt, bis Fehler #600000 berichtet wurde. Dann wird die Seite erneut mit einer neuen Liste von Wetten für Fehler #1000000 geöffnet. Daher wird es vier Gruppen von Wetten für Fehler #1000000 geben, mithin noch mehr Spannung und Spaß.

Distribution-übergreifende Zusammenarbeit für die Betreuung von Spielen

Initiiert von Mitgliedern der zusammengeführten Debian- und Ubuntu-Spieleteams und Hans de Goede von Fedora wurde eine Mailingliste erstellt, um die Zusammenarbeit zwischen Betriebssystemen für die Betreuung von Spielen zu fördern. Das Ziel besteht darin, Patches auszutauschen und zu begutachten, die die Originalautoren ungern oder nur zögerlich akzeptieren, oder die Betreuung der Software zu übernehmen, wenn die Originalautoren nicht mehr existieren.

Momentan sind auf dieser Liste Arch Linux, Debian, Fedora, Fink, FreeBSD, Gentoo, NetBSD, OpenSolaris, PC-BSD, Slackbuilds, SUSE und Yellow Dog Linux sowie GNOME und KDE Mitglieder.

Aufruf für Vorträge im Debian Entwickler-Raum auf der FOSDEM

Wouter Verhelst bat um Vorträge für den Debian-Entwickler-Raum auf der kommenden Free and Open Source Developers European Meeting (FOSDEM) – einem jährlichen Treffen der Gemeinschaft, das in der Université Libre de Bruxelles in Brüssel in Belgien stattfindet und das sich darauf konzentriert, Entwickler Freier Software zusammenzubringen. Wie auch während früherer Veranstaltungen hat Debian die Möglichkeit, seinen eigenen anderthalbtägigen Vortragsstrang abzuhalten.

Wann sollten nicht-Betreuer Uploads erfolgen?

Ein vor kurzem erfolgter nicht-Betreuer Upload des Pakets php5 führte zu einigen Diskussionen über die Frage, wie und wann nicht-Betreuer Uploads erfolgen sollten. Während das Beheben veröffentlichungskritischer Fehler in der Tat eine wichtige Angelegenheit ist (insbesondere für alte Fehler ohne Aktionen vom Betreuer) erinnerte das Mitglied des Veröffentlichungsteams Steve Langasek die Entwickler daran, dass sie dennoch die Betreuer über ihre Pläne, ein NMU durchzuführen, informieren sollten, während Thomas Viehmann die Betreuer daran erinnerte, dass sie veröffentlichungskritische Fehler innerhalb von zwei Wochen beheben oder zumindest kommentieren sollten.

Beliebte Pakete in Ubuntu, die nicht in Debian main sind

Petter Reinholdtsen führte eine Studie über die Frage, welche beliebten Ubuntu-Pakete nicht in Debian/Main aufgenommen sind und warum, durch. Um die Beliebtheit der Pakete zu bestimmen verwendete Petter ihre Popcon-Werte. Er kam mit einer Liste von 152 beliebten Ubuntu-Paketen heraus, die derzeit nicht in Debian/Main enthalten sind, einer Zahl, die er überraschend niedrig fand.

Viele dieser Pakete sind aufgrund einer anderen Paketstruktur oder anderer Unterschiede zwischen Debian und Ubuntu nicht in Debian, während andere bereits in Contrib oder Non-Free enthalten sind. Von den verbliebenen Paketen haben viele einen Bezug zu Multimedia. Petter glaubt, dass es sehr schön wäre, wenn diese Pakete in Debian verfügbar wären und ermutigt ihre Paketierung.

In diesem Zusammenhang sei gemeldet, dass James Westby eine Studie über die Qualität von Ubuntu-Paketen, die nicht Teil von Debian sind, basierend auf ihren Einträgen in der Ubuntu-Fehlerdatenbank, durchführte.

Neuigkeiten der Entwickler gewünscht

Raphaël Hertzog, der Autor der Misc Developer News bittet die Entwickler, kurze Neuigkeiten über ihre Arbeit und Pläne mitzuteilen, so dass diese in den Misc Developer News veröffentlicht werden können. Mögliche Nachrichten umfassen alles mit Bezug zur Debian-Entwicklung, was keiner eigenen E-Mail an debian-devel-announce Wert ist. Die Nachrichten werden immer dann veröffentlicht, wenn fünf Meldungen zusammengekommen sind. Raphaël weist darauf hin, dass die Misc Developer News auch für Aufrufe zur Mithilfe verwandt werden können.

Ist ein inoffizielles öffentliches Depot der Gemeinschaft notwendig?

Die Zurückweisung einiger Pakete, die Debian hinzugefügt werden sollten, aus der Queue durch die ftp-master führte zu einiger Diskussion über die Notwendigkeit eines Depots für inoffizielle Pakete, die nicht Debians Standards genügen oder anderweitig ununterstützt sind. Holger Levsen wies auf debian-unofficial.org hin, das nicht unproblematisch ist. Dies führte dazu, dass Holger über eine Lösung innerhalb von debian-community.org nachdachte. Der Vorschlage, apt-get.org zu verwenden, wurde auch kritisiert.

Neuer Entwickler

Ein Bewerber wurden seit der letzten Ausgabe der Debian Projekt-Nachrichten als Debian-Betreuer akzeptiert. Bitte begrüßen Sie Jörg Sommer in unserem Projekt!

Notizen aus der buildd-Welt

Adeodato Simó schickte Notizen aus der buildd-Welt ein. Buildds sind Teil der Infrastruktur von Debian, die organisieren, welches automatische Bausystem (build daemon) welches Paket für welche Architektur baut. Abgesehen von personellen Änderungen erklärt er auch die korrekten Arten, das Buildd-Team zu kontaktieren, sowie den Ort, an dem der Quellcode der Buildd-Infrastruktur verwaltet wird.

Statistiken über die veröffentlichungskritischen Fehler in der kommenden Veröffentlichung

Laut dem inoffiziellen RC-Fehlerzähler ist die kommende Veröffentlichung von Debian GNU/Linux 5.0 Lenny derzeit von 118 veröffentlichungskritischen Fehlern betroffen. 43 davon sind bereits im Unstable-Zweig von Debian korrigiert. Von den 75 verbleibenden veröffentlichungskritischen Fehlern haben 33 bereits einen Patch (der eventuell getestet werden müsste) und fünf sind mit pending markiert.

Werden diese Fehler sowie die veröffentlichungskritischen Fehler für Pakete in Contrib und Non-Free ignoriert, verbleiben 36 veröffentlichungskritische Fehler, die für die Veröffentlichung behoben werden müssen.

Wichtige Debian-Sicherheitsankündigungen

Das Sicherheitsteam von Debian veröffentlichte unter anderem Ankündigungen für die folgenden Pakete: Python2.4, Xulrunner, Iceweasel, Wireshark und Phpmyadmin. Bitte lesen Sie diese sorgfältig und ergreifen Sie die notwendigen Maßnahmen.

Bitte beachten Sie, dass dies eine Auswahl der wichtigsten Sicherheitsankündigungen der letzten zwei Wochen ist. Falls Sie immer auf dem neusten Stand bei den Sicherheitsankündigungen des Sicherheitsteams von Debian bleiben müssen, abonnieren Sie bitte unsere Mailingliste für Sicherheitsankündigungen.

Einen Blick wert

(Unter anderem) wurden die folgenden Pakete zum Unstable-Archiv von Debian hinzugefügt:

Apticron (ein Cron-Skript um anstehende Apt-Aktualisierungen per E-Mail zu verschicken) wurde von Debian Package of the Day (Debian-Paket des Tages) vorgestellt.

Arbeit-bedürfende Pakete

Momentan sind 488 Pakete verwaist und 117 Pakete stehen zur Adoption bereit. Bitte werfen Sie einen Blick auf aktuelle Berichte, falls es Pakete gibt, die Sie interessieren, oder betrachten Sie die komplette Liste der Pakete, die Hilfe benötigen.

Wollen Sie die DPN weiterhin lesen?

Bitte helfen Sie uns beim Erstellen dieses Newsletters. Wir brauchen weiterhin mehr freiwillige Autoren, die die Debian-Gemeinschaft beobachten und über Ereignisse in der Gemeinschaft berichten. Bitte lesen Sie unsere Wie mache ich mit-Seite, um zu sehen, wie Sie helfen können. Wir freuen uns auf Ihre E-Mail an debian-publicity@lists.debian.org.


Wenn Sie diesen Newsletter (auf Englisch) in Ihrer Mailbox haben wollen, abonnieren Sie die Mailingliste debian-news.

Hier gibt es ältere Ausgaben dieser Nachrichtenseite.

Diese Ausgabe der Nachrichten für das Debian-Projekt wurde von Andre Felipe Machado, Jon Evans, Richard Hartmann, Stefano Zacchiroli, Christian Perrier, Frans Pop, Meike Reichle und Alexander Reichle-Schmehl erstellt.
Sie wurde von Helge Kreutzmann übersetzt.