[ zurück ] [ Inhalt ] [ 1 ] [ 2 ] [ 3 ] [ 4 ] [ 5 ] [ 6 ] [ 7 ] [ 8 ] [ 9 ] [ 10 ] [ 11 ] [ 12 ] [ 13 ] [ 14 ] [ 15 ] [ 16 ] [ weiter ]


Die Debian GNU/Linux-FAQ
Kapitel 11 - Anpassen Ihres Debian GNU/Linux-Systems


11.1 Wie kann ich sicherstellen, dass alle Programme dieselbe Papiergröße verwenden?

Installieren Sie das Paket libpaper1 und es wird nach einer systemweiten Standardpapiergröße fragen. Diese Einstellung wird in der Datei /etc/papersize gespeichert.

Benutzer können sich über die Papiergrößen-Einstellung hinwegsetzen, indem sie die PAPERSIZE-Umgebungsvariable verwenden. Für Details lesen Sie die Handbuchseite papersize(5).


11.2 Wie lassen sich ohne Abstriche bei der Sicherheit Peripheriegeräte zur Verfügung stellen?

Viele Gerätedateien im /dev/-Verzeichnis gehören zu einer vordefinierten Gruppe. Zum Beispiel gehört /dev/sr0 zu der Gruppe cdrom.

Um einem bestimmten Benutzer Zugriff auf eines dieser Geräte einzuräumen, fügen Sie ihn zu der Gruppe hinzu, der das Gerät gehört, also z.B.:

     adduser user group

Auf diese Art müssen Sie die Dateiberechtigungen des Gerätes nicht ändern.

Wenn Sie diese Änderung auf der Shell eines Benutzers oder einer grafischen Benutzerumgebung vornehmen, müssen Sie sich anschließend einmal abmelden und wieder neu anmelden, damit die Änderungen wirksam werden. Um herauszufinden, welchen Gruppen Sie angehören, verwenden Sie den Befehl groups.

Hinweis: Seit der Einführung von udev kann es vorkommen, dass Ihrerseits geänderte Berechtigungen für Peripheriegeräte nach einem Systemstart wieder zurückgesetzt sind. Falls für Sie relevante Geräte davon betroffen sind, müssen Sie die Regeln in /etc/udev anpassen.


11.3 Wie kann ich eine Konsolen-Schriftart auf Debian-Art beim Systemstart laden?

Das Paket kbd lässt sich entsprechend konfigurieren. Editieren Sie dazu die Datei /etc/kbd/config.


11.4 Wie kann ich die Standardeinstellung eines X11-Programms konfigurieren?

Die Debian-X-Programme installieren ihre Anwendungs-Ressourcen-Daten im Verzeichnis /etc/X11/app-defaults/. Wenn Sie eine X-Anwendung global anpassen wollen, schreiben Sie Ihre Anpassungen in diese Dateien. Sie sind als Konfigurationsdateien markiert, so dass ihre Inhalte bei einem Upgrade erhalten bleiben.


11.5 Jede Distribution scheint eine andere Boot-Methode zu haben. Beschreiben Sie jene von Debian.

Wie alle Unix-Systeme bootet Debian durch das Ausführen des Programms init [5]. /etc/inittab, die Konfigurationsdatei für init, legt fest, dass /etc/init.d/rcS als erstes Skript ausgeführt werden soll. Dieses Skript startet alle Skripte im /etc/rcS.d/-Verzeichnis, indem es sie als eigene Unterprozesse laufen lässt; dabei werden Initialisierungen durchgeführt, wie zum Beispiel Dateisysteme prüfen und einbinden, Module laden, Netzwerkdienste starten, die Uhr stellen und weitere.

Nachdem der Boot-Prozess abgeschlossen ist, führt init alle Start-Skripte in dem zum Standard-Runlevel gehörenden Verzeichnis aus. Dieses Runlevel wird durch den Eintrag id in /etc/inittab festgelegt. Wie alle zu System V kompatiblen Unix-Systeme hat Linux 7 Runlevel:

Debian-Systeme haben »id=2« als Standardeinstellung, was bedeutet, dass der Standard-Runlevel »2« ist, wenn das Mehrbenutzer-Level gestartet wird, und dass die Skripte in /etc/rc2.d/ ausgeführt werden.

Debian verwendet abhängigkeits-basierte Boot-Reihenfolgen durch Nutzung von insserv; dafür werden die LSB-Header in jedem Skript unterhalb von /etc/init.d/ verwendet. Außerdem setzt Debian parallele (gleichzeitig laufende) Boot-Prozesse mittels startpar ein, um den Boot-Vorgang zu beschleunigen.

Letzten Endes sind die Skripte in jedem der Verzeichnisse /etc/rcN.d/ nur symbolische Verweise zurück auf Skripte in /etc/init.d/. Allerdings geben die Namen dieser Dateien an, wie die Skripte in /etc/init.d/ ausgeführt werden. Konkret werden vor dem Aktivieren eines Runlevels alle Skripte, die mit einem »K« beginnen, ausgeführt; diese Skripte beenden Dienste. Danach werden alle Skripte, die mit einem »S« beginnen, ausgeführt; diese Skripte starten Dienste. Die zweistellige Zahl, die hinter dem »K« bzw. »S« folgt, bestimmt die Reihenfolge, in welcher die Skripte ausgeführt werden. Jene mit kleinerer Nummer werden zuerst ausgeführt.

Die Methode beruht darauf, dass jedes der Skripte in /etc/init.d/ eines von fünf möglichen Argumenten, nämlich »start«, »stop«, »reload«, »restart« oder »force-reload« erwartet und den jeweiligen Dienst dann entsprechend steuert. Diese Skripte können auch nach dem Starten des Systems noch benutzt werden, um verschiedene Prozesse zu kontrollieren.

Folgender Befehl mit dem Argument »reload«

     /etc/init.d/sendmail reload

sendet dem sendmail-Daemon ein Signal, seine Konfigurationsdatei neu einzulesen.

Beachten Sie, dass invoke-rc.d nicht benutzt werden sollte, um die Skripte in /etc/init.d/ aufzurufen; verwenden Sie stattdessen service.


11.6 Welche Möglichkeiten außer rc.local gibt es zum Anpassen des Bootprozesses?

Das rc.local-Skript wird als letztes in jedem Mehrbenutzer-Runlevel ausgeführt. In Debian bewirkt es standardmäßig nichts. Dies gestattet es, den Boot-Prozess an eigene Anforderungen anzupassen, wobei man damit unter Umständen nicht jeder Situation gerecht wird.

Nehmen wir an, ein System soll beim Hochfahren oder bei Aktivierung eines bestimmten (System-V-) Runlevels das Skript foo ausführen. Dann sollte der Systemadministrator:

Man könnte zum Beispiel das Skript foo beim Systemstart ausführen lassen, indem man es in /etc/init.d/ einfügt und update-rc.d foo defaults 19 aufruft. Das Argument »defaults« bezieht sich auf die Standard-Runlevel, also 2 bis 5. Solange es keinen LSB-Kommentar-Block gibt, der dem widerspricht, führt das dazu, dass der Dienst in den Runleveln 2 bis 5 gestartet und in den Runleveln 0, 1 und 6 gestoppt wird. (Sämtliche »LSB Default-Start«- und »LSB Default-Stop«-Anweisungen in foo haben Vorrang, wenn die sysv-rc-Version von update-rc.d verwendet wird, sie werden aber von der file-rc-Variante von update-rc.d (v0.8.10 und höher) ignoriert.) Das Argument »19« führt dazu, dass foo aufgerufen wird, sobald alle Skripte mit Nummern kleiner 19 beendet wurden und vor allen Skripten mit Nummer 20 oder höher.


11.7 Wie geht das Paketverwaltungssystem mit Paketen um, die Konfigurationsdateien für andere Pakete enthalten?

Manche Benutzer möchten zum Beispiel einen neuen Server einrichten, indem sie eine Gruppe von Debian-Paketen installieren sowie ein lokal generiertes Paket, welches aus Konfigurationsdateien besteht. Dies ist grundsätzlich keine gute Idee, weil dpkg nichts über diese Konfigurationsdateien weiß, wenn sie in einem anderen Paket enthalten sind. dpkg könnte daher unpassende Konfigurationen schreiben, wenn eines der ursprünglichen Pakete aktualisiert wird.

Deshalb ist es besser, ein lokales Paket zu erstellen, das die Konfigurationsdateien einer »Gruppe« von Debian-Paketen modifiziert. Dann registriert dpkg und der Rest des Paketverwaltungssystems, dass diese Dateien durch den lokalen Systemverwalter modifiziert worden sind und versucht nicht, sie bei einer Paketaktualisierung zu überschreiben.


11.8 Wie kann ich eine durch ein Paket installierte Datei außer Kraft setzen, so dass stattdessen eine andere Version verwendet werden kann?

Nehmen wir an, dass ein Systemadministrator oder ein lokaler Benutzer lieber ein Programm namens login-local anstatt dem vom Debian-Paket login zur Verfügung gestellten Programm login verwenden möchte.

Sie sollten nicht:

Das Paketverwaltungssystem weiß nichts über diese Veränderung und wird einfach Ihr angepasstes /bin/login überschreiben, wann immer login (oder jedes andere Paket, welches /bin/login bereitstellt) installiert oder aktualisiert wird.

Tun Sie besser Folgendes:

Führen Sie dpkg-divert --list aus, um zu sehen, welche Umleitungen auf Ihrem System aktiv sind.

Details dazu finden Sie auf der Handbuchseite dpkg-divert(8).


11.9 Wie kann ich meine lokal erstellten Pakete in die Liste der verfügbaren Pakete, die dem Paketmanagementsystem bekannt sind, aufnehmen?

Führen Sie folgenden Befehl aus:

     dpkg-scanpackages BIN_DIR OVERRIDE_FILE [PATHPREFIX] > meine_Pakete

Dabei ist:

Wenn Sie die Datei meine_Pakete erstellt haben, teilen Sie dies dem Paketverwaltungssystem über folgenden Befehl mit:

     dpkg --merge-avail meine_Pakete

Wenn Sie APT verwenden, können Sie das lokale Paketdepot auch zu Ihrer sources.list(5)-Datei hinzufügen.


11.10 Einige Benutzer mögen mawk, andere gawk; einige mögen vim, andere elvis; einige trn, wieder andere tin; wie unterstützt Debian die Vielfalt?

Es gibt verschiedene Fälle, in denen zwei Pakete zwei verschiedene Versionen eines Programms zur Verfügung stellen, wobei beide dieselben Grundfunktionen beherrschen. Benutzer mögen eines dem anderen aus Gewohnheit vorziehen, oder weil die Benutzerschnittstelle des einen Pakets auf irgendeine Art attraktiver ist als jene eines anderen. Andere Benutzer auf demselben System könnten eine andere Wahl treffen.

Wenn zwei oder mehr Hilfsprogramme dieselben Grundfunktionen aufweisen und eine generell formulierte Paketabhängigkeit erfüllen, ermöglicht es Debian Systemadministratoren oder Benutzern, durch ein »virtuelles« Paketystem festzulegen, welches vorgezogen wird.

Zum Beispiel könnten zwei verschiedene Versionen eines Newsreaders auf einem System existieren. Das Newsserver-Paket könnte »empfehlen«, dass überhaupt ein Newsreader auf dem System installiert ist, aber die Wahl von tin oder trn ist dem jeweiligen Benutzer überlassen. Dies wird erreicht, indem die beiden Pakete tin und trn das virtuelle Paket news-reader bereitstellen. Welches der Programme tatsächlich aufgerufen wird, wird durch einen Verweis von /etc/alternatives/news-reader (dem Namen des virtuellen Pakets) auf die Binärdatei des ausgewählten Programms (z.B. /usr/bin/trn) bestimmt.

Für die Nutzung alternativer Programme reicht eine einzelne symbolische Verknüpfung nicht aus. Der Auswahlmechanismus muss auch Handbuchseiten und sonstige zugehörige Dateien berücksichtigen. Das Perl-Skript update-alternatives stellt sicher, dass alle zu einem ausgewählten Paket gehörenden Dateien systemweit als Standard herangezogen werden.

Um zum Beispiel zu kontrollieren, welche ausführbaren Dateien »x-window-manager« bereitstellen, führen Sie folgenden Befehl aus:

     update-alternatives --display x-window-manager

Wenn Sie dies ändern möchten, verwenden Sie

     update-alternatives --config x-window-manager

und folgen den Anweisungen auf dem Bildschirm (einfach gesagt: geben Sie Sie die Zahl für den Eintrag ein, den Sie bevorzugen).

Wenn ein Paket sich selbst aus irgend einem Grund nicht als Fenstermanager registriert (senden Sie einen Fehlerbericht, falls es ein Fehler ist), oder wenn Sie einen Fenstermanager aus dem /usr/local/-Verzeichnis verwenden, werden die Auswahlmöglichkeiten auf dem Bildschirm Ihren bevorzugten Eintrag nicht enthalten. Sie können den Verweis aber über Befehlszeilen-Optionen aktualisieren:

     update-alternatives --install /usr/bin/x-window-manager \
       x-window-manager /usr/local/bin/wmaker-cvs 50

Das erste Argument für die »--install«-Option ist der symbolische Verweis, der auf /etc/alternatives/NAME zeigt, wobei NAME das zweite Argument ist. Das dritte Argument ist das Programm, auf welches /etc/alternatives/NAME zeigen soll, und das vierte Argument die Priorität (ein größerer Wert bedeutet, dass diese Alternative wahrscheinlicher automatisch ausgewählt wird).

Um eine Alternative, die Sie hinzugefügt haben, wieder zu entfernen, führen Sie einfach folgenden Befehl aus:

     update-alternatives --remove x-window-manager /usr/local/bin/wmaker-cvs

[ zurück ] [ Inhalt ] [ 1 ] [ 2 ] [ 3 ] [ 4 ] [ 5 ] [ 6 ] [ 7 ] [ 8 ] [ 9 ] [ 10 ] [ 11 ] [ 12 ] [ 13 ] [ 14 ] [ 15 ] [ 16 ] [ weiter ]


Die Debian GNU/Linux-FAQ

Version 8.1, 28 August 2016

Die Autoren finden Sie in Autoren der Debian-FAQ