Eine kurze Geschichte von Debian -------------------------------- Debian-Dokumentationsteam 2.17 (zuletzt am 10. August 2012 überarbeitet) ------------------------------------------------------------------------------- Zusammenfassung --------------- Dieses Dokument beschreibt die Geschichte und die Ziele des Debian-Projekts. Copyright-Hinweis ----------------- Dieses Dokument kann in jeder Form frei weiterverteilt und/oder modifiziert werden, solange Änderungen klar dokumentiert werden. Dieses Dokument kann gegen Gebühr oder frei weiter verteilt werden. Es kann verändert werden (dies beinhaltet die Übertragung auf andere Medien oder Dateiformate oder von einer gesprochenen Sprache in eine andere), solange alle Änderungen gegenüber dem Original klar gekennzeichnet sind. Signifikante Beiträge zu diesem Dokument wurden gemacht von * Javier Fernández-Sanguino * Bdale Garbee * Hartmut Koptein * Nils Lohner * Will Lowe * Bill Mitchell * Ian Murdock * Martin Schulze * Craig Small Dieses Dokument wird hauptsächlich von Bdale Garbee betreut. ------------------------------------------------------------------------------- Inhalt ------ 1. Einführung -- Was ist das Debian-Projekt? 1.1. Am Anfang 1.2. Debian aussprechen 2. Leitung 3. Debian-Veröffentlichungen 4. Eine detaillierte Historie 4.1. Die 0.x Versionen 4.2. Die 1.x Versionen 4.3. Die 2.x Veröffentlichungen 4.4. Die 3.x Veröffentlichungen 4.5. Die 4.x Versionen 4.6. Die 5.x Versionen 4.7. Die 6.x-Veröffentlichungen 4.8. Wichtige Ereignisse 4.9. Wie geht es weiter? A. Das Debian-Manifest A.1. Was ist Debian-Linux? A.2. Warum wird Debian erstellt? A.3. Wie wird Debian versuchen, diese Schwierigkeiten zu beenden? ------------------------------------------------------------------------------- 1. Einführung -- Was ist das Debian-Projekt? --------------------------------------------- Das Debian-Projekt (http://www.debian.org/) ist eine weltweite Gruppe von Freiwilligen, die sich bemühen, eine Betriebssystemdistribution aus vollständig freier Software zu erstellen. Das Hauptprodukt des Projekts ist bis heute die Debian GNU/Linux Software-Distribution, die den Linux-Betriebssystemkernel und tausende vorgepackter Anwendungen umfasst. Verschiedene Prozessortypen werden mehr oder weniger vollständig unterstützt, darunter Intel i386 und höher, Alpha, ARM, Intel IA-64, Motorola 68k, MIPS, PA-RISC, PowerPC, SPARC (und UltraSparc), IBM S/390 und Hitachi SuperH. Debian hat die Gründung von Software in the Public Interest, Inc., (http://www.spi-inc.org/) angeregt, einer gemeinnützigen Organisation mit Sitz in New York. SPI wurde gegründet, um Debian und vergleichbaren Organisationen beim Entwickeln und Verteilen offener Hard- und Software zu helfen. Unter anderem stellt SPI für das Debian-Projekt eine Möglichkeit bereit, Spenden anzunehmen, die in den Vereinigten Staaten steuerlich absetzbar sind. Für mehr Informationen über freie Software lesen Sie den Debian-Gesellschaftsvertrag (http://www.debian.org/social_contract) und die dazugehörigen Debian-Richtlinien für freie Software, sowie Debian -- Was bedeutet frei? (http://www.debian.org/intro/free). 1.1. Am Anfang -------------- Das Debian-Projekt wurde offiziell von Ian Murdock am 16. August 1993 (http://groups.google.com/groups?selm=CBusDD.MIK%40unix.portal.com&output=gplain) gegründet. Zu dieser Zeit war das ganze Konzept einer Linux-»Distribution« neu. Ian strebte mit Debian eine Distribution an, die offen erstellt werden sollte, im Sinne von Linux und GNU (lesen Sie für Details sein Manifest, das sich im Anhang dieses Dokuments befindet). Die Gründung von Debian wurde vom GNU-Projekt der FSF für ein Jahr gefördert (November 1994 bis November 1995). Debian sollte sorgfältig und gewissenhaft zusammengestellt werden und mit gleicher Sorgfalt gewartet und betreut werden. Es begann als eine kleine, eng verbundene Gemeinschaft von Hackern Freier Software und wuchs Schritt für Schritt zu einer großen, gut organisierten Gemeinschaft von Entwicklern und Benutzern. Als es begann, war Debian die einzige Distribution, die offen für jeden Entwickler und Benutzer, der etwas beitragen wollte, gewesen ist. Es bleibt der bedeutendste signifikante Distributor von Linux ohne kommerzielle Interessen. Es ist das einzige große Projekt mit einer Verfassung, einem Gesellschaftsvertrag und Richtlinien zur Organisation des Projektes. Debian ist ebenfalls die einzige Distribution mit »Mikro-Paketen«, die detaillierte Informationen über Abhängigkeiten zwischen einzelnen Paketen nutzt, um die Konsistenz des Systems über Versionssprünge hinweg sicher zu stellen. Um einen hohen Qualitätsstandard zu erreichen und zu sichern, hat Debian eine beträchtliche Menge an Richtlinien und Prozeduren zum Paketieren und Ausliefern von Software entwickelt. Diese Standards werden durch verschiedene Werkzeuge, Automatisierungen und Dokumente ergänzt, die Debians Hauptbestandteile auf offene und durchschaubare Weise realisieren. 1.2. Debian aussprechen ----------------------- Die offizielle Aussprache von Debian ist »deb ih en«. Der Name beruht auf den Namen des Gründers von Debian, Ian Murdock, und seiner Frau Debra. ------------------------------------------------------------------------------- 2. Leitung ---------- Debian hat seit seiner Gründung 1993 verschiedene Leiter gehabt. Ian Murdock gründete Debian im August 1993 und führte es bis März 1996. Bruce Perens führte Debian von April 1996 bis Dezember 1997. Ian Jackson führte Debian von Januar 1998 bis Dezember 1998. Wichert Akkerman führte Debian von Januar 1999 bis März 2001. Ben Collins führte Debian von April 2001 bis April 2002. Bdale Garbee führte Debian von April 2002 bis April 2003. Martin Michlmayr führte Debian von März 2003 bis März 2005. Branden Robinson führte Debian von April 2005 bis April 2006. Anthony Towns führte Debian von April 2006 bis April 2007. Sam Hocevar führte Debian von April 2006 bis April 2007. Steve McIntyre führte Debian von April 2008 bis April 2010. Stefano Zacchiroli led Debian from April 2010 until April 2013. Lucas Nussbaum was elected in April 2013 and is our current leader. ------------------------------------------------------------------------------- 3. Debian-Veröffentlichungen ----------------------------- Debian 0.01 bis 0.90 (August–Dezember 1993) Debian 0.91 (Januar 1994): Diese Veröffentlichung hatte ein einfaches Paketsystem, das Pakete installieren und deinstallieren konnte. Das Projekt war zu diesem Zeitpunkt auf einige Dutzend Leute angewachsen. Debian 0.93R5 (März 1995): Zu diesem Zeitpunkt war die Verantwortung für jedes Paket einem eindeutigen Entwickler zugeordnet und das Paketverwaltungsprogramm (`dpkg') wurde zur Installation von Paketen nach der Installation des Grundsystems genutzt. Debian 0.93R6 (November 1995): `dselect' erscheint. Dies war die letzte Veröffentlichung von Debian mit dem a.out-Binärformat; es gab etwa 60 Entwickler. Der erste master.debian.org-Server wurde von Bdale Garbee zusammengestellt und von HP gehostet, parallel zur 0.93R6 Veröffentlichung. Der Einsatz eines expliziten Hauptservers, auf dem Debian-Entwickler jede Veröffentlichung zusammenstellten, führte unmittelbar zur Errichtung des Debian-Spiegelnetzwerks und mittelbar zur Entwicklung von vielen Richtlinien und Verfahrensweisen, die heute zur Verwaltung des Projekts genutzt werden. Debian 1.0 was never released: InfoMagic, a CD vendor, accidentally shipped a development release of Debian and entitled it 1.0. On December 11th 1995, Debian and InfoMagic jointly announced that this release was screwed. Bruce Perens explains that the data placed on the "InfoMagic Linux Developer's Resource 5-CD Set November 1995" as "Debian 1.0" is not the Debian 1.0 release, but an early development version which is only partially in the ELF format, will probably not boot or run correctly, and does not represent the quality of a released Debian system. To prevent confusion between the premature CD version and the actual Debian release, the Debian Project has renamed its next release to "Debian 1.1". The premature Debian 1.0 on CD is deprecated and should not be used. Master.debian.org zog Ende 1995 von HP zu i-Connect.Net um. Michael Neuffer und Shimon Shapiro, Gründer von i-Connect.Net, beherbergten Master für etwas mehr als ein Jahr auf ihrer eigenen Hardware. Während dieser Zeit stellten sie Debian viele Dienste zur Verfügung, einschließlich dessen, was im Wesentlichen dem täglichen Aufruf des Prozesses für neue Paketbetreuer entsprach und halfen maßgeblich bei der Erweiterung des frühen Netzwerks von Debian-Spiegeln. Debian 1.1 _Buzz_ (17. Juni 1996): Dies war die erste Debian-Veröffentlichung mit einem Aliasnamen. Sie wurde, wie bis jetzt alle weiteren, nach einer Figur des Films _Toy Story_ benannt … in diesem Fall nach Buzz Lightyear. Zu diesem Zeitpunkt hatte Bruce Perens die Leitung des Projekts von Ian Murdock übernommen. Bruce arbeitete bei Pixar, der Firma, die die Filme produzierte. Diese Debian-Veröffentlichung war vollständig im ELF-Format, benutzte den Linux-Kernel 2.0 und enthielt 474 Pakete. Debian 1.2 _Rex_ (12. Dezember 1996): Benannt nach dem Plastikdinosaurier in den _Toy Story_-Filmen. Diese Veröffentlichung bestand aus 848 Paketen, betreut von 120 Entwicklern. Debian 1.3 _Bo_ (5. Juni 1997): Benannt nach Bo Peep, der Schäferin. Diese Veröffentlichung bestand aus 974 Paketen, betreut von 200 Entwicklern. Debian 2.0 _Hamm_ (24. Juli 1998): Benannt nach dem Sparschwein in den _Toy Story_-Filmen. Dies war die erste Veröffentlichung von Debian für mehrere Architekturen, mit Unterstützung für die Motorola 68000 Architektur. Mit Ian Jackson als Projektleiter bewältigte diese Veröffentlichung den Übergang zur libc6 und bestand aus mehr als 1500 Paketen, betreut von über 400 Entwicklern. Debian 2.1 _Slink_ (9. März 1999): Benannt nach dem Hund im Film. Zwei weitere Architekturen wurden hinzugefügt, Alpha (http://www.debian.org/ports/alpha/) und SPARC (http://www.debian.org/ports/sparc/). Mit Wichert Akkerman als Projektleiter bestand diese Version aus etwa 2250 Paketen und benötigte 2 CDs in der offiziellen CD-Distribution. Die wichtigste technische Neuerung bestand in der Einführung von Apt, einer neuen Schnittstelle zur Paketverwaltung. Apt wurde entwickelt, um Probleme, die sich aus dem ständigen Wachstum von Debian ergeben hatten, in den Griff zu bekommen. Es wurde oft nachgeahmt und stellte ein neues Grundprinzip zur Paketerfassung und -installation bei quelloffenen Betriebssystemen dar. Debian 2.2 _Potato_ (15. August 2000): Benannt nach »Mr. Potato Head« in den _Toy Story_-Filmen. Diese Version fügte Unterstützung für die PowerPC (http://www.debian.org/ports/powerpc/)- und ARM (http://www.debian.org/ports/arm/)-Architekturen hinzu. Wichert arbeitete noch als Projektleiter und diese Veröffentlichung bestand aus mehr als 3900 Binärpaketen, erstellt aus über 2600 Quellpaketen, die von mehr als 450 Debian-Entwicklern betreut wurden. Debian 3.0 _Woody_ (19. Juli 2002): Benannt nach der Hauptfigur der _Toy Story_-Filme: »Woody«, dem Cowboy. Noch mehr Architekturen wurden in dieser Veröffentlichung aufgenommen: IA-64 (http://www.debian.org/ports/ia64/), HP PA-RISC (http://www.debian.org/ports/hppa/), MIPS (big endian) (http://www.debian.org/ports/mips/), MIPS (little endian) (http://www.debian.org/ports/mipsel/) und S/390 (http://www.debian.org/ports/s390/). Dies ist auch die erste Veröffentlichung mit kryptographischer Software, nachdem die Beschränkungen zum Export aus den USA _gelockert_ wurden, und die erste Veröffentlichung mit KDE, nachdem die Lizenzprobleme mit QT gelöst wurden. Mit dem frischgebackenen Projektleiter Bdale Garbee und mehr als 900 Debian-Entwicklern enthielt diese Veröffentlichung etwa 8500 Binärpakete und sieben Binär-CDs in der offiziellen Zusammenstellung. Debian 3.1 _Sarge_ (6. Juni 2005): Benannt nach dem Feldwebel der grünen Plastiksoldaten. Bei dieser Veröffentlichung wurden keine neuen Architekturen hinzugefügt, allerdings wurde eine inoffizielle AMD64-Portierung zur gleichen Zeit veröffentlicht und durch die neue Alioth-Projekt Hosting Site (http://alioth.debian.org) verteilt. Diese Veröffentlichung benutzt eine neue Installationsroutine: _debian-installer_, eine modulare Software mit automatischer Hardware-Erkennung, der Möglichkeit zur unbeaufsichtigten Installation und vollständiger Übersetzung in mehr als dreißig Sprachen. Es war die erste Veröffentlichung mit einem vollständigen Office-Paket: OpenOffice.org. Branden Robinson war gerade zum Projektleiter gewählt worden. Diese Veröffentlichung bestand in der offiziellen Version aus etwas 15400 Binärpaketen und 14 Binär-CDs. Es gab mehr als 900 Debian-Entwickler. Debian 4.0 _Etch_ (8. April 2007): Benannt nach der Zeichentafel des Films. Eine Architektur wurde in dieser Veröffentlichung aufgenommen: AMD64 (http://www.debian.org/ports/amd64/) und die offizielle Unterstützung für m68k (http://www.debian.org/ports/m68k/) eingestellt. Diese Veröffentlichung verwendete weiter den _debian-installer_, unterstützte aber auch einen graphischen Installer, kryptographische Überprüfung heruntergeladener Pakete, eine flexiblere Partitionierung (mit Unterstützung verschlüsselter Partitionen), vereinfachte E-Mail-Konfiguration, noch flexiblere Desktop-Auswahl, vereinfachte, aber verbesserte Unterstützung anderer Sprachen und neue Modi, inklusive eines Rettungsmodus. Neue Installationen erfordern keinen Neustart mehr während des Installationsprozesses, da die vorhergehenden zwei Phasen der Installation nun integriert wurden. Dieser neue Installer bot Unterstützung für Dialekte, die zusammengesetzte Zeichen verwenden und komplexe Sprachen in seiner graphischen Version, was die Anzahl vorhandener Übersetzungen auf über 50 erhöhte. Mit dem am selben Tag ernannten Projektleiter Sam Hocever und mehr als 1030 Debian-Entwicklern enthielt diese Veröffentlichung etwa 18000 Binärpakete auf über 20 Binär-CDs (3 DVDs) in der offiziellen Veröffentlichung. Es waren auch zwei Binär-CDs verfügbar, um das System mit alternativen Desktop-Umgebungen (im Vergleich zur Standardumgebung) zu installieren. Debian 5.0 _Lenny_ (Februar 2009): benannt nach dem aufziehbaren Fernglas in den _Toy Story_-Filmen. In dieser Veröffentlichung wurde eine Architektur hinzugefügt: ARM EABI (http://wiki.debian.org/ArmEabiPort) (oder _armel_). Dadurch wurde Unterstützung für neuere ARM-Prozessoren bereitgestellt und die alte ARM-Portierung (_arm_) missbilligt. Die Portierung m68k (http://wiki.debian.org/M68k) war nicht in dieser Veröffentlichung enthalten, obwohl sie immer noch in der Distribution _Unstable_ bereitgestellt wurde. Diese Veröffentlichung wies keine FreeBSD-Portierung (http://www.debian.org/ports/kfreebsd-gnu/) auf. Obwohl viel Arbeit in die Portierung gesteckt wurde, um sie geeignet zu machen, erfüllte sie nicht die erforderlichen Voraussetzungen (http://release.debian.org/lenny/arch_qualify.html) für diese Veröffentlichung. Diese Veröffentlichung fügte Unterstützung für Marvells Orion-Plattform hinzu, die auf vielen Speichergeräten benutzt wird und außerdem für viele Netbooks, speziell für den Eee-PC von Asus. _Lenny_ enthielt außerdem Bauwerkzeuge für Emdebian, das das Erstellen von Debian-Quellcode-Paketen über Architekturgrenzen hinweg und ein Schrumpfen erlaubt, so dass sie auf eingebettete ARM-Systeme passen. Es war außerdem die erste Veröffentlichung, die freie Versionen von Suns Java-Technologie bereitstellte, die Java-Anwendungen im Depot _main_ möglich machten. Debian 6.0 _Squeeze_ (Februar 2011): benannt nach den grünen dreiäugigen Aliens Die Veröffentlichung wurde am 6. August 2010 »eingefroren«, als sich viele Entwickler zur zehnten DebConf in New York City versammelt hatten. Während zwei Architekturen (Alpha und HP/PA) aufgegeben wurden, wurden zwei Architekturen der neuen FreeBSD-Portierung (http://www.debian.org/ports/kfreebsd-gnu/) (kFreeBSD-i386 und kFreeBSD-AMD64) als _Technologievorschau_ verfügbar gemacht, einschließlich des Kernels und Werkzeugen auf Benutzerseite sowie üblicher Server-Software (jedoch noch ohne fortschrittliche Funktionalitäten für Arbeitsumgebungen). Erstmals wurde eine Linux-Distribution so erweitert, dass auch ein anderer als der Linux-Kernel eingesetzt werden kann. Die neue Veröffentlichung führte eine abhängigkeitsbasierte Startsequenz ein, die eine parallele Verarbeitung von Init-Skripten zur Beschleunigung des Systemstarts ermöglichte. Debian 7.0 _Wheezy_ (coming in May 2013): named for the rubber toy penguin with a red bow tie). ------------------------------------------------------------------------------- 4. Eine detaillierte Historie ----------------------------- 4.1. Die 0.x Versionen ---------------------- Debian wurde im August 1993 von Ian Murdock gegründet, zum damaligen Zeitpunkt Student an der Purdue University. Es wurde für ein Jahr (November 1994 bis November 1995) vom GNU Projekt der Free Software Foundation (http://www.fsf.org/) unterstützt, einer von Richard Stallman gegründeten und mit der General Public License (GPL) verbundenen Organisation. Debian 0.01 bis Debian 0.90 wurden zwischen August und Dezember 1993 veröffentlicht. Ian Murdock schreibt: »Debian 0.91 wurde im Januar 1994 veröffentlicht. Es hatte ein einfaches Paketsystem, das es Benutzern ermöglichte, Pakete zu manipulieren, aber sonst wenig konnte (es hatte keine Unterstützung für Abhängigkeiten oder etwas in der Art). Zu dieser Zeit waren es einige Leute, die an Debian arbeiteten, obwohl ich die Veröffentlichungen meistens alleine zusammenstellte. 0.91 war die letzte Veröffentlichung, die auf diese Art zusammengestellt wurde. Die meiste Zeit des Jahres 1994 wurde dazu verwendet, das Debian-Projekt so zu organisieren, dass andere einfacher und effektiver dazu beitragen konnten; außerdem wurde viel Zeit in `dpkg' gesteckt (dafür war hauptsächlich Ian Jackson verantwortlich). Soweit ich mich erinnere, gab es 1994 keine offiziellen Veröffentlichungen, nur einige interne Veröffentlichungen, um den Arbeitsprozess zu verbessern. Debian 0.93 Ausgabe 5 wurde im März 1995 veröffentlicht und war die erste »moderne« Version von Debian: es gab zu diesem Zeitpunkt sehr viel mehr Entwickler (ich kann mich aber nicht mehr genau erinnern, wie viele genau); jeder betreute seine eigenen Pakete und `dpkg' wurde benutzt, um all diese Pakete zu installieren und zu warten, nachdem ein Grundsystem installiert war. Debian 0.93 Version 6 wurde im November 1995 veröffentlicht und war die letzte a.out-Veröffentlichung. Es gab ungefähr 60 Entwickler, die in 0.93R6 Pakete betreuten. Wenn ich mich richtig erinnere, erschien `dselect' zuerst in 0.93R6.« Ian Murdock merkt weiterhin an, dass Debian 0.93R6 »… immer seine Lieblingsausgabe von Debian war«, gibt allerdings zu, dass er vielleicht voreingenommen ist: er hörte im März 1996 – während der Vorarbeiten an Debian 1.0 – auf, aktiv im Projekt mitzuarbeiten. Diese Version wurde schließlich als Debian 1.1 veröffentlicht, um Verwirrung zu vermeiden, nachdem ein CD-ROM-Hersteller versehentlich eine unfertige Version als Debian 1.0 veröffentlicht hatte. Dieser Vorfall führte zur Einführung des Konzepts von »offiziellen« CDs, um es Distributoren von Debian zu erleichtern, solche Fehler zu vermeiden. Während des Augusts 1995 (zwischen Debian 0.93 Version 5 und Debian 0.93 Version 6) startete Hartmut Koptein die erste Portierung von Debian, für die Motorola m68k-Familie. Er berichtet, dass »sehr, sehr viele Pakete i386-zentriert waren (little endian, -m486, -O6 und alle für libc4), und es war schwierig, eine funktionierende Basis von Paketen auf meinem Rechner (einer Atari Medusa 68040, 32 MHz) zu bekommen. Nach drei Monaten (im November 1995) lud ich 200 Pakete von 250 erhältlichen hoch, alle für libc5!« Später startete er eine weitere Portierung zusammen mit Vincent Renardias und Martin Schulze, für die PowerPC-Familie. Seit dieser Zeit ist das Debian-Projekt um weitere Portierungen (http://www.debian.org/ports/) auf andere Architekturen gewachsen, um eine Portierung auf einen neuen (nicht-Linux-)Kernel, den GNU-Hurd-Mikrokernel, sowie um mindest eine Art von BSD-Kernel. Ein frühes Mitglied des Projekts, Bill Mitchell, erinnert sich an den Linux-Kernel »… es war zwischen 0.99R8 und 0.99R15, als wir begannen. Lange Zeit konnte ich den Kernel in weniger als 30 Minuten auf einer 386-basierten Maschine mit 20 MHz bauen und ich konnte auch Debian in der gleichen Zeit auf weniger als 10 MB Plattenplatz installieren.« »… Ich erinnere mich an die ursprüngliche Gruppe mit Ian Murdock, mir selbst, Ian Jackson, ein weiterer Ian, an dessen Nachname ich mich nicht erinnere, Dan Quinlan und einige weitere Leute, an deren Namen ich mich nicht erinnere. Matt Welsh war entweder Teil der ursprünglichen Gruppe oder kam kurz danach dazu (zwischenzeitlich hat er das Projekt verlassen). Jemand richtete eine Mailingliste ein und wir fingen an. Soweit ich mich erinnere, begannen wir nicht mit einem Plan und wir begannen auch nicht damit, einen Plan in geordneter Manier zu erstellen. Am Anfang begannen wir damit, Quellen für eine ziemlich zufällige Auswahl an Paketen zusammen zu suchen. Mit der Zeit konzentrierten wir uns auf eine Zusammenstellung von Dingen, die nötig waren, um den Kern einer Distribution zu formen: den Kernel, eine Shell, update, getty, verschiedene andere Programme und Hilfsdateien, die zur Initialisierung des Systems nötig waren, und wichtige Hilfsprogramme.« 4.1.1. Das frühe Debian-Paketsystem ------------------------------------ Ganz am Anfang des Projekts erwogen die Mitglieder, reine Quellpakete zu vertreiben. Jedes Paket würde aus dem Originalcode und einer debianisierten Patchdatei bestehen; die Benutzer würden dann die Quellen entpacken, die Patches anwenden und die Binärdateien selbst erstellen. Die Mitglieder erkannten aber schnell, dass eine binäre Distribution benötigt wurde. Das erste Paketierungsprogramm wurde von Ian Murdock geschrieben und hieß `dpkg'. Es erstellte ein Paket in einem Debian-spezifischen Binärformat und konnte später benutzt werden, um die Dateien im Paket zu entpacken und zu installieren. Ian Jackson übernahm bald die weitere Entwicklung der Paketverwaltung; das eigentliche Verwaltungswerkzeug benannte er in `dpkg-deb' um und schrieb ein Frontend namens `dpkg', um die Benutzung von `dpkg-deb' zu vereinfachen und die _Abhängigkeiten_ und _Konflikte_ der heutigen Debian-Paketverwaltung zu ermöglichen. Die mit diesen Werkzeugen erzeugten Pakete hatten einen Header, der die Version des zur Erzeugung des Pakets verwendeten Werkzeugs angab, und einen Absatz innerhalb der Datei zu einem `tar'-Archiv, das vom Header durch einige Kontrollinformationen getrennt war. Zu ungefähr der gleichen Zeit entfachte sich zwischen den Projektmitgliedern eine Diskussion -- einige waren der Meinung, dass das Debian-spezifische Format von `dpkg-deb' geändert werden sollte zugunsten des vom `ar'-Programm erstellten Formats. Nach mehreren überarbeiteten Dateiformaten und entsprechend überarbeiteten Paketierungswerkzeugen wurde das `ar'-Format übernommen. Der Hauptvorteil dieses Wechsels: er machte es möglich, dass ein Debian-Paket auf jedem unixoiden System entpackt werden konnte, ohne ein unvertrautes Programm benutzen zu müssen. Mit anderen Worten, um ein Debian-Paket zu entpacken und den Inhalt zu untersuchen, braucht man nur Standardprogramme, die auf jedem Unix-System vorhanden sind, wie »tar« und »ar«. 4.2. Die 1.x Versionen ---------------------- Als Ian Murdock Debian verließ, bestimmte er Bruce Perens zum nächsten Leiter des Projekts. Bruce lernte Debian kennen, als er gerade versuchte, eine Linux-Distributions-CD namens »Linux for Hams« (Linux für Amateurfunker) zu erschaffen, die für Radioamateure nützliche Linux-Software enthalten sollte. Als er sah, dass das Debian-Basissystem noch sehr viel Arbeit erforderte, um sein eigenes Projekt zu unterstützen, investierte er viel Zeit in das Linux-Basissystem und die zugehörigen Installationsprogramme und verschob seine Amateurfunk-Distribution. Er organisierte (zusammen mit Ian Murdock) die ersten Debian-Installationsskripte, die später in die Debian-Rettungsdiskette einflossen, die eine Kernkomponente der Debian-Installationswerkzeuge für viele Veröffentlichungen war. Ian Murdock bemerkt: »Bruce war für mich die natürliche Wahl; er hatte das Basissystem seit beinahe einem Jahr betreut und er hatte sozusagen das Staffelholz übernommen, nachdem ich immer weniger Zeit in Debian investieren konnte.« He initiated several important facets of the project, including coordinating the effort to produce the Debian Free Software Guidelines and the Debian Social Contract, and initiating an Open Hardware Project. During his time as Project Leader, Debian gained market share and a reputation as a platform for serious, technically-capable Linux users. Bruce Perens war auch eine Schlüsselperson bei der Gründung von Software in the Public Interest, Inc. (http://www.spi-inc.org/). Ursprünglich gedacht als juristische Konstruktion, die es dem Debian-Projekt ermöglichen sollte, Spenden zu akzeptieren, wurden ihre Grundsätze bald erweitert, um auch Freie Software-Projekte außerhalb des Debian-Projektes zu unterstützen. Die folgenden Debian-Versionen erschienen während dieser Zeit: * 1.1 _Buzz_ veröffentlicht im Juni 1996 (474 Pakete, 2.0 Kernel, komplett ELF, `dpkg') * 1.2 _Rex_ veröffentlicht im Dezember 1996 (848 Pakete, 120 Entwickler) * 1.3 _Bo_ veröffentlicht im Juli 1997 (974 Pakete, 200 Entwickler) Es gab verschiedene vorläufige »Punkt«-Versionen zu 1.3, die letzte war 1.3.1R6. Bruce Perens wurde durch Ian Jackson als Debian-Projektleiter im Januar 1998 ersetzt, nachdem er das Projekt zu einem großen Teil durch die Vorbereitungen zur Version 2.0 geführt hatte. 4.3. Die 2.x Veröffentlichungen -------------------------------- Zu Beginn des Jahres 1998 wurde Ian Jackson Projektleiter und kurz darauf Vizepräsident im Vorstand von Software in the Public Interest. Nach dem Rückzug des Schatzmeisters (Tim Sailer), des Präsidenten (Bruce Perens) und des Schriftführers (Ian Murdock) wurde er Vorsitzender des Vorstands und drei neue Mitglieder wurden gewählt: Martin Schulze (Vizepräsident), Dale Scheetz (Sekretär) und Nils Lohner (Schatzmeister). Debian 2.0 (_Hamm_) wurde im Juli 1998 für die Intel i386- und Motorola 68000-Architekturen veröffentlicht. Diese Version markierte den Wechsel auf eine neue Version der C-Systembibliotheken (glibc2 oder aus historischen Gründen auch libc6). Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung gab es mehr als 1500 Pakete, die von über 400 Debian-Entwicklern betreut wurden. Im Januar 1999 folgte Wichert Akkerman Ian Jackson als Projektführer. Debian 2.1 (http://www.debian.org/releases/slink/) wurde am 9. März 1999 mit einer Woche Verspätung veröffentlicht (http://www.debian.org/News/1999/19990309), da es kurz vor der Veröffentlichung noch ein paar Probleme gab. Debian 2.1 (_Slink_) brachte offizielle Unterstützung für zwei neue Architekturen mit: Alpha (http://www.debian.org/ports/alpha/) und SPARC (http://www.debian.org/ports/sparc/). Die in Debian 2.1 enthaltenen X-Windows-Pakete waren gegenüber früheren Versionen stark überarbeitet worden; Debian 2.1 enthielt `apt', eine neuartige Schnittstelle zum Paketverwaltungssystem. Diese Version war auch die erste, die 2 CD-ROMs für das »Offizielle Debian-CD-Angebot« benötigte; die Distribution enthielt mehr als 2250 Pakete. Am 21. April 1999 gründeten die Corel Corporation (http://www.corel.com/) und das K-Desktop-Projekt (http://www.kde.org/) eine Allianz mit Debian: Corel wollte eine Linux-Distribution veröffentlichen, basierend auf Debian und der grafischen Oberfläche der KDE-Gruppe. Während der folgenden Frühlings- und Sommermonate erschien mit Storm Linux eine weitere, auf Debian basierende Distribution. Das Debian-Projekt wählte ein neues Logo (http://www.debian.org/logos/), das sowohl eine offizielle Version zur Benutzung auf Debian-sanktionierten Materialien wie CD-ROMs und offiziellen Projekt-Websites enthielt als auch ein inoffizielles Logo zur Verwendung bei Erwähnung von Debian oder bei auf Debian basierenden Erzeugnissen. Zur gleichen Zeit begann auch eine neue, einzigartige Debian-Portierung, für Hurd (http://www.debian.org/ports/hurd/). Dies ist die erste Portierung, die keinen Linux-Kernel benutzt, sondern den GNU Hurd (http://www.gnu.org/software/hurd/hurd.html), eine Version des GNU Mach Mikrokernel. Debian 2.2 (_Potato_) wurde am 15. August 2000 für die Intel i386-, Motorola-68000-Serien-, Alpha-, SUN-SPARC-, PowerPC- und ARM-Architekturen veröffentlicht. Dies war die erste Veröffentlichung mit Portierungen für PowerPC und ARM. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung gab es mehr als 3900 Binär- und 2600 Quellpakete, betreut von mehr als 450 Debian-Entwicklern. Ein interessanter Aspekt bei Debian 2.2 ist die Art und Weise, wie Anstrengungen im Bereich freier Software zu einem modernen Betriebssystem führen können, trotz aller Probleme drumherum. Dieser Aspekt[1] wurde von einer Interessengruppe in dem Artikel Kartoffeln zählen (http://pascal.case.unibz.it/retrieve/3246/counting-potatoes.html) analysiert. Ein Zitat aus diesem Artikel: _» […] wir benutzen David A. Wheelers sloccount-System, um die Anzahl der physischen Zeilen an Quellcode (SLOC) in Debian 2.2 (alias Potato) zu ermitteln. Wir zeigen, dass Debian 2.2 mehr als 55.000.000 physische SLOC enthält (fast doppelt so viel wie Red Hat 7.1, erschienen etwa 8 Monate später); damit ist das Debian-Entwicklungsmodell (basierend auf der Arbeit einer großen, auf der ganzen Welt verteilten, Gruppe von freiwilligen Entwicklern) mindestens so gut wie andere Entwicklungsmodelle […] Es wird auch gezeigt, dass eine Entwicklung Debians mit traditionellen proprietären Methoden nach dem COCOMO-Modell Kosten in Höhe von 1,9 Milliarden US-Dollar zur Entwicklung von Debian 2.2 verursacht hätte. Weiterhin analysieren wir die in der Distribution verwendeten Programmiersprachen (C mit etwa 70%, C++ mit etwa 10%, LISP und Shell mit etwa 5% und viele weitere) sowie die größten Pakete (Mozilla, der Linux-Kernel, PM3, XFree86, etc.)«_ [1] Die rohen Statistikdaten (http://libresoft.es/debian-counting/potato/index.php?menu=Statistics) für Potato sind auch auf der Debian-Counting-Site (http://libresoft.es/debian-counting/) verfügbar, ebenso wie Schriftstücke, die spätere Veröffentlichungen analysieren 4.4. Die 3.x Veröffentlichungen -------------------------------- Bevor man auch nur daran gehen konnte, Woody für eine Freigabe vorzubereiten, musste man erst das Archivsystem auf ftp-master ändern. Paket-Pools wurden Mitte Dezember 2000 auf ftp-master aktiviert (http://lists.debian.org/debian-devel-announce-0012/msg00004.html). Sie ermöglichten das Erstellen von Sonderdistributionen wie die neue »Testing«-Distribution, die zum ersten Mal bei den Vorbereitungen zur Freigabe von Woody benutzt wurde. Ein Paket-Pool ist einfach eine Ansammlung von verschiedenen Versionen ein- und desselben Pakets; aus dieser Ansammlung können dann verschiedene Distributionen (zurzeit Experimental, Unstable, Testing und Stable) Pakete ziehen, die dann in die Paketdatei dieser Distribution geschrieben werden. Zur gleichen Zeit wurde eine neue _Testing_-Distribution eingeführt. Pakete aus Unstable, die nach einem Zeitraum von wenigen Wochen ohne größere Fehler als stabil betrachtet wurden, wanderten nach Testing weiter. Dieses Konzept wurde eingeführt, um die Freeze-Zeit (A.d.Ü.: das ist die Zeit kurz vor Freigabe einer Distribution, in der bei den Paketen nur noch Fehler beseitigt, aber keine neuen Funktionen hinzugefügt werden – die Pakete sind also quasi eingefroren) zu verkürzen und es dem Projekt zu ermöglichen, zu jeder Zeit eine Veröffentlichung vorzubereiten. In dieser Zeit schlossen einige der Firmen, die modifizierte Versionen von Debian herausbrachten. Corel verkaufte seine Linux-Abteilung im ersten Quartal 2001, Stormix erklärte am 17. Januar 2001 die Insolvenz und Progeny beendete die Entwicklung seiner Distribution am 1. Oktober 2001. Die Einfrierzeit für die nächste Version startete am 1. Juli 2001. Aber das Projekt benötigte trotzdem etwas über ein Jahr, um zur Freigabe der nächsten Version zu kommen. Gründe hierfür waren Probleme mit den boot-floppies (http://lists.debian.org/debian-devel-announce-0104/msg00004.html), die Einführung von kryptographischer Software im main-Archiv und Änderungen am zugrundeliegenden, internen Aufbau (das incoming-Archiv und die Sicherheits-Architektur). Der stabile Zweig (Debian 2.2) wurde in dieser Zeit sieben Mal überarbeitet und zwei Projektführer wurden gewählt: Ben Collins (2001) und Bdale Garbee. Außerdem wurde viel Arbeit in anderen Bereichen von Debian geleistet, beispielsweise bei der Internationalisierung: Debians Website (über 1000 einzelne Seiten) wurde in über 20 verschiedene Sprachen übersetzt und die Installation der neuen Version konnte in 23 Sprachen erfolgen. Zwei interne Projekte, Debian-Junior (für Kinder) und Debian-Med (für medizinische Praxis und Forschung) begannen während der Freigabe von Woody; sie legen verschiedene Schwerpunkte, um eine einfache Verwendung von Debian in diesen Bereichen zu ermöglichen. Die Arbeit für Debian hielt die Entwickler nicht von der Organisation eines jährlichen Treffens namens Debconf (http://www.debconf.org) ab. Das erste Treffen fand vom 2. bis 5. Juli 2001 zusammen mit dem Libre Software Meeting (LSM) in Bordeaux (Frankreich) mit etwa 40 Debian-Entwicklern statt. Die zweite Konferenz gab es in Toronto (Kanada) am 5. Juli 2002 mit über 80 Teilnehmern. Debian 3.0 (_Woody_) wurde am 19. Juli 2002 für die Intel i386-, Motorola 68000 Serien-, Alpha-, SUN SPARC-, PowerPC-, ARM-, HP PA-RISC-, IA-64-, MIPS-, MIPS (DEC)- und IBM s/390-Architekturen veröffentlicht. Dies war die erste Veröffentlichung mit Portierungen für HP PA-RISC, IA-64, MIPS, MIPS (DEC) und IBM s/390. Zum Veröffentlichungszeitpunkt gab es etwa 8500 Binärpakete, betreut von über 900 Debian-Entwicklern. Dies war die erste Veröffentlichung, die sowohl auf DVD als auch auf CD-ROMs erschien. Vor der nächsten Veröffentlichung ging die Reihe der jährlichen _Debconf_-Treffen weiter; die vierte Konferenz fand in Oslo vom 18. bis zum 20. Juli 2003 mit mehr als 120 Teilnehmern statt. Der Konferenz ging ein _Debcamp_ vom 12.–17. Juli voraus. Die fünfte Konferenz gab es vom 26. Mai bis zum 2. Juni 2004 in Porto Alegre, Brasilien, mit über 160 Teilnehmern aus 26 verschiedenen Ländern. Debian 3.1 (_Sarge_) wurde am 6. Juni 2005 für die gleichen Architekturen wie _Woody_ veröffentlicht, allerdings wurde eine inoffizielle AMD64-Portierung zur gleichen Zeit veröffentlicht, unter Verwendung der Hosting-Infrastruktur des Projekts für die Distribution, erreichbar unter http://alioth.debian.org. Es gab ungefähr 15000 Binärpakete, betreut von mehr als 1500 Debian-Entwicklern. Es gab viele große Veränderungen in der _Sarge_-Veröffentlichung, hauptsächlich wegen der langen Zeit, die das Einfrieren und die Veröffentlichung der Distribution benötigte. Diese Veröffentlichung aktualisierte nicht nur mehr als 73% der Software, die in der vorigen Veröffentlichung ausgeliefert worden war. Sie enthielt auch sehr viel mehr Software als frühere Veröffentlichungen und verdoppelte fast die Größe mit mehr als 9000 neuen Paketen, darunter die OpenOffice.org-Suite, dem Firefox-Webbrowser und dem Thunderbird E-Mail-Client. Diese Veröffentlichung wurde mit Linux-Kerneln der 2.4- und der 2.6-Serien ausgeliefert, weiterhin mit XFree86 4.3, GNOME 2.8 und KDE 3.3 sowie einem brandneuen Installationsprogramm. Dieses neue Installationsprogramm ersetzte den veralteten Boot-Floppies-Installer durch einen modularen Aufbau und stellte weitere fortgeschrittene Installationsmöglichkeiten (mit RAID-, XFS- und LVM-Unterstützung) mit Hardwareerkennung bereit, die die Installation für Anfänger auf allen Architekturen vereinfacht. Es wechselte auch zu `aptitude' als Werkzeug zur Paketverwaltung. Aber das Installationssystem weist auch eine komplette Internationalisierung auf mit Unterstützung für fast 40 Sprachen. Die unterstützende Dokumentation, d.h. das Installationshandbuch und die Release-Informationen, wurden für diese Version in 10 bzw. 15 verschiedene Sprachen übersetzt. Diese Veröffentlichung beinhaltete die Anstrengungen der Debian-Edu/Skolelinux-, Debian-Med- und Debian-Accessibility-Unterprojekte, die die Anzahl der zur Ausbildung geeigneten Pakete sowie der Pakete mit medizinischen Anwendungen ankurbelten, ebenso die Anzahl der speziell für Menschen mit Behinderungen gedachten Pakete. Die sechste _Debconf_ wurde in Espoo, Finnland, vom 10. bis 17. Juli 2005 mit mehr als 300 Teilnehmern abgehalten. Videos (http://ftp.acc.umu.se/pub/debian-meetings/2005/debconf5/) von dieser Konferenz sind online erhältlich. Die siebte _Debconf_ wurde in Oaxtepec, Mexiko, vom 14. bis 22. Mai 2006 mit etwa 200 Teilnehmern (https://gallery.debconf.org/aigars/dc6_group_photo_big) abgehalten. Videos (http://meetings-archive.debian.net/pub/debian-meetings/2006/debconf6/) und Bilder (https://gallery.debconf.org/debconf6) von dieser Konferenz sind online erhältlich. 4.5. Die 4.x Versionen ---------------------- Debian 4.0 (_Etch_) wurde am 8. April 2007 für die gleiche Anzahl an Architekturen wie _Sarge_ veröffentlicht (http://www.debian.org/News/2007/20070408). Es enthielt die AMD64-Portierung, allerdings wurde die m68k-Portierung fallengelassen. Die m68k-Portierung war jedoch noch immer in der Distribution _Unstable_ enthalten. Es gab ungefähr 18.200 Binärpakete, betreut von mehr als 1.030 Debian-Entwicklern. 4.6. Die 5.x Versionen ---------------------- Debian 5.0 (_Lenny_) wurde am 14. Februar 2009 für eine Architektur mehr als für den Vorgänger _Etch_ veröffentlicht (http://www.debian.org/News/2009/20090214). Es enthielt die Portierung für neuere ARM-Prozessoren. Wie bei der vorhergehenden Veröffentlichung war die Unterstützung für die Architektur mk86 noch immer in _Unstable_ verfügbar. Es gab ungefähr 23.000 Binärpakete (gebaut aus mehr als 12.000 Quellpaketen), betreut von mehr als 1010 Debian-Entwicklern. Die achte _Debconf_ wurde in Edinburgh, Schottland, vom 17. bis 23. Juni 2007 mit über 400 Teilnehmern abgehalten. Videos (http://ftp.acc.umu.se/pub/debian-meetings/2007/debconf7/) und Bilder (https://gallery.debconf.org/debconf7) von dieser Konferenz sind online erhältlich. Die neunte _Debconf_ wurde in Mar de Plata, Argentinien, vom 10. bis 16. August 2008 mit über 200 Teilnehmern (https://gallery.debconf.org/v/debconf8/karora/OfficialPhoto.jpg.html) abgehalten. Videos (http://ftp.acc.umu.se/pub/debian-meetings/2008/debconf8/) und Bilder (https://gallery.debconf.org/v/debconf8/) von dieser Konferenz sind online erhältlich. Die zehnte _Debconf_ wurde in Caceres, Spanien, vom 23. bis 30. Juli 2009 mit über 200 Teilnehmern (http://wiki.debconf.org/wiki/DebConf9/Pictures/GroupPhoto) abgehalten. Videos (http://ftp.acc.umu.se/pub/debian-meetings/2009/debconf9/) und Bilder (https://gallery.debconf.org/v/debconf9/) von dieser Konferenz sind online erhältlich. Die elfte _Debconf_ wurde in New York City, Vereinigte Staaten von Amerika, vom 1. bis 7. August 2010 mit einem vorhergehenden Debcamp vom 25. bis 31. Juli abgehalten. Mehr als 200 Leute (http://wiki.debconf.org/wiki/DebConf10/GroupPhoto), einschließlich Debian-Entwicklern, Paketbetreuern und Anwender versammelten sich auf dem Campus der Columbia-Universität, um an der Konferenz teilzunehmen. Videos (http://ftp.acc.umu.se/pub/debian-meetings/2010/debconf10/) und Bilder (https://gallery.debconf.org/v/debconf10/) von dieser Konferenz sind online erhältlich. 4.7. Die 6.x-Veröffentlichungen -------------------------------- Debian 6.0 (_Squeeze_) wurde am 6. Februar 2011 veröffentlicht. Danach entschied das Projekt am 29. Juli 2009, zeitbasierte Veröffentlichungen einzuführen (http://www.debian.org/News/2009/20090729), so dass neue Veröffentlichungen in der ersten Hälfte jedes ungeraden Jahres publiziert werden. Squeeze war eine einmalige Ausnahme von der Zweijahresrichtlinie, um in den neuen Zeitplan zu gelangen. Diese Richtlinie wurde verabschiedet, um Benutzern der Debian-Distribution eine bessere Vorhersehbarkeit der Veröffentlichungstermine zu geben und Debian-Entwicklern eine bessere langfristige Planung zu ermöglichen. Ein zweijähriger Veröffentlichungszyklus bietet mehr Zeit für grundlegende Veränderungen, was Unbequemlichkeiten für Benutzer vermindert. Vom vorhersehbaren Einfrieren wurde außerdem erwartet, dass es die Gesamtzeit des Einfrierens verringert. Obwohl das Einfrieren für Dezember 2009 erwartet wurde, kam die Ankündigung des Einfrierens (http://www.debian.org/News/2010/20100806) im August 2010, zusammentreffend mit der Feier des zehnten jährlichen DebConf-Treffens in New York. Zu den neuen Funktionalitäten gehören: * Linux Kernel 2.6.32, nun komplett frei und ohne problematische Firmware-Dateien * libc: eglibc 2.11 * GNOME 2.30.0 mit einigen Teilen aus 2.32 * KDE 4.4.5 * X.org 7.5 * Xfce 4.6 * OpenOffice.org 3.2.1 * Apache 2.2.16 * PHP 5.3.3 * MySQL 5.1.49 * PostgreSQL 8.4.6 * Samba 3.5.6 * GCC 4.4 * Perl 5.10 * Python 2.6 und 3. * 10.000 neue Pakete bei mehr als 29.000 Binärpaketen, die aus ungefähr 15.000 Quellpaketen gebaut wurden * DKMS, ein Gerüst zur Erzeugung von Linux-Kernel-Modulen, deren Quelltexte nicht im Quellverzeichnisbaum des Linux-Kernels liegen * abhängigkeitsbasiertes Anfordern von Init-Skripten mittels Insserv, was paralleles Ausführen ermöglicht, um die Startzeit des Systems zu verkürzen * zwei neue Portierungen, kFreeBSD-i386 und kFreeBSD-amd64 Viele Pakete begannen ein neues Quellpaketformat zu verwenden, das auf Quilt basiert. Dieses neue Format (http://wiki.debian.org/Projects/DebSrc3.0) für nicht native Pakete, »3.0 (quilt)« genannt, trennt Debian-Patche vom verteilten Quellkode. Außerdem wurde eine neues Format »3.0 (native)« für native Pakete eingeführt. Neue Funktionalitäten in diesen Formaten umfassen die Unterstützung für mehrere Tarballs der Originalautoren, Unterstützung für Bzip2- und LZMA-komprimierte Tarballs und das Einbeziehen binärer Dateien. The twelfth _Debconf_ was held in Banja Luka, Republic of Srpska, Bosnia and Herzegovina, from 24 to 30 July 2011, with Debcamp preceeding it from 17 to 23 July. The thirteenth _Debconf_ was held in Managua, Nicaragua, from 8 to 14 July 2012, with Debcamp preceeding it from 1 to 6 July, and a Debian Day on 7 July. 4.8. Wichtige Ereignisse ------------------------ 4.8.1. Juli 2000: Joel Klecker stirbt ------------------------------------- Am 11. Juli 2000 starb Joel Klecker, auch bekannt als Espy, im Alter von 21 Jahren. Niemand, der »Espy« in #mklinux, den Debian-Listen oder Kanälen sah, wusste, dass hinter diesem Spitznamen ein junger Mann stand, der an einer Form von Duchenne-Muskeldystrophie (http://mdausa.org/disease/dmd.html) litt. Die meisten kannten ihn nur als den »Debian glibc- und PowerPC-Typ« und hatten keine Ahnung von der Krankheit, gegen die er kämpfte. Obwohl er physisch behindert war, teilte er seine hervorragenden Kenntnisse mit anderen. Joel Klecker (auch bekannt als Espy) wird uns fehlen. 4.8.2. Oktober 2000: Implementierung von Paket-Pools ---------------------------------------------------- James Troup berichtete (http://lists.debian.org/debian-devel-announce-0010/msg00007.html), dass er an einer Neuimplementierung der Archivwerkzeuge und dem Wechsel auf Paket-Pools gearbeitet hatte. Ab diesem Zeitpunkt werden Dateien in einem nach dem zugehörigen Quellpaket benannten Verzeichnis innerhalb des `pool'-Verzeichnisses gespeichert. Die Distributionsverzeichnisse enthalten nur noch Paketdateien mit Verweisen auf den Pool. Dies vereinfacht die Behandlung überlappender Distributionen wie Testing und Unstable. Das Archiv ist datenbankgestützt unter Benutzung von PostgreSQL, was das Durchsuchen beschleunigt. This concept of managing Debian's archives sort of like a package cache was first introduced by Bdale Garbee in this email (http://lists.debian.org/debian-devel/1998/05/msg01607.html) to the debian-devel list in May of 1998. 4.8.3. März 2001: Christopher Rutter stirbt -------------------------------------------- Am 1. März 2001 wurde Christopher Matthew Rutter (auch bekannt als cmr) von einem Auto angefahren und starb im Alter von 19 Jahren. Christopher war ein junges und bekanntes Mitglied des Debian-Projekts, der bei der ARM-Portierung mithalf. Die Site buildd.debian.org ist seinem Andenken gewidmet. Chris Rutter wird uns fehlen. 4.8.4. März 2001: Fabrizio Polacco stirbt ------------------------------------------ Am 28. März 2001 starb Fabrizio Polacco nach langer Krankheit. Das Debian-Projekt erkennt seine gute Arbeit und seine starke Hingabe an Debian und Freie Software an. Seine Beiträge werden nicht vergessen werden und andere Entwickler werden seine Arbeit in seinem Sinne weiterführen. Fabrizio Polacco wird uns fehlen. 4.8.5. Juli 2002: Martin Butterweck stirbt ------------------------------------------ Am 21. Juli 2002 starb Martin Butterweck (auch bekannt als blendi), nachdem er gegen Leukämie gekämpft hatte. Martin war ein junges Mitglied des Debian-Projekts, der dem Projekt erst kurz vorher beigetreten war. Martin Butterweck wird uns fehlen. 4.8.6. November 2002: Feuer zerstört Debian-Server --------------------------------------------------- Am 20. November 2002 gegen 08:00 CET bricht ein Feuer im Netzwerk-Betriebszentrum (NOC) der Universität von Twente aus. Das Gebäude brennt bis auf die Grundmauern nieder. Die Feuerwehr gibt jede Hoffnung auf, den Serverbereich zu retten. Neben anderen Dingen beherbergte das NOC den Server satie.debian.org, der das Sicherheits- und non-US-Archiv enthielt, sowie die Datenbanken für neue Betreuer (nm) und Qualitätssicherung. Debian erstellte diese Dienste auf dem Rechner »Klecker« neu, der vor kurzem aus den U.S.A. in die Niederlande umgezogen war. 4.8.7. Mai 2004: Manuel Estrada Sainz and Andrés García sterben ----------------------------------------------------------------- Am 9. Mai wurden Manuel Estrada Sainz (ranty) und Andrés García (ErConde) bei einem tragischen Verkehrsunfall getötet; sie waren auf dem Rückweg von der Konferenz über Freie Software in Valencia, Spanien. Manuel Estrada Sainz und Andrés García werden uns fehlen. 4.8.8. Juli 2005: Jens Schmalzing stirbt ---------------------------------------- Am 30. Juli 2005 starb Jens Schmalzing (jensen) bei einem tragischen Unfall an seinem Arbeitsplatz in München, Deutschland. Er war bei Debian als Betreuer mehrerer Pakete involviert. Weiterhin war er ein Unterstützer der PowerPC-Portierung, ein Mitglied des Kernel-Teams und stark engagiert beim Voranbringen des PowerPC-Kernelpakets zur Version 2.6. Er betreute außerdem den Mac-on-Linux-Emulator und dessen Kernelmodule und half beim Installationsprogramm und lokalen Aktivitäten in München mit. Wir werden Jens Schmalzing vermissen. 4.8.9. Dezember 2008: Thiemo Seufer stirbt ------------------------------------------ Am 26. Dezember 2008 stirbt Thiemo Seufer (ths) bei einem Autounfall. Er war leitender Betreuer der MIPS- und MIPSEL-Portierungen und hatte außerdem lange Zeit intensiv zum Debian-Installer beigetragen, bevor er 2004 Debian-Entwickler wurde (http://lists.debian.org/debian-newmaint/2004/06/msg00021.html). Als Mitglied des QEMU-Teams schrieb er den größten Teil der MIPS-Emulationsschicht. Thiemo Seufer wird uns fehlen. 4.8.10. August 2010: Frans Pop stirbt ------------------------------------- Frans Pop (fjp) starb am 20. August. Frans war an Debian als Betreuer mehrerer Pakete beteiligt, er unterstützte die S/390-Portierung und war einer der Hauptbeteiligten an der Entwicklung des Debian-Installationsprogramms. Er war Übersetzer ins Holländische und Debian-Listmaster. Außerdem arbeitete er an der Installationsanleitung und den Veröffentlichungshinweisen mit, für die er auch (als »Release Manager«) verantwortlich zeichnete. Frans Pop wird uns fehlen. 4.9. Wie geht es weiter? ------------------------ Das Debian-Projekt setzt seine Arbeit an der _Unstable_-Distribution (Kodename _Sid_, nach dem bösen und »instabilen« Kind von nebenan aus dem Film _Toy Story 1_, das niemals in die Welt hinausgelassen werden sollte) fort. Sid ist der dauerhafte Name für die instabile Entwicklungsversion und ist immer »in Entwicklung«. Die meisten neuen oder aktualisierten Pakete werden in diesen Zweig hochgeladen. Der _Testing_-Zweig ist als nächste stabile Veröffentlichung vorgesehen und hat gegenwärtig den Codenamen _Wheezy_. ------------------------------------------------------------------------------- A. Das Debian-Manifest ---------------------- Geschrieben von Ian A. Murdock, überarbeitet am 6. Januar 1994 A.1. Was ist Debian-Linux? -------------------------- Debian-Linux ist eine brandneue Art von Linux-Distribution. Anstatt wie andere Linux-Distributionen in der Vergangenheit von einer einzelnen isolierten Person oder Gruppe entwickelt zu werden, wird Debian vielmehr offen im Geist von Linux und GNU entwickelt. Das primäre Ziel des Debian-Projekts ist es, eine Distribution zu erschaffen, die dem Namen Linux gerecht wird. Debian ist sorgfältig und gewissenhaft zusammengestellt und wird mit gleicher Sorgfalt betreut und weiterentwickelt werden. Es ist auch ein Versuch, eine nicht-kommerzielle Distribution zu erschaffen, die fähig sein wird, im kommerziellen Markt zu bestehen. Sie wird letzten Endes von der Free Software Foundation auf CD-ROM verteilt werden und die Debian Linux Association wird die Distribution auf Disketten und Bändern zusammen mit gedruckten Handbüchern, technischer Unterstützung und anderen notwendigen Dingen für Endbenutzer anbieten. All dies wird unter geringen Gewinnspannen erhältlich sein und die Überschüsse werden für die weitere Entwicklung freier Software für alle Nutzer verwendet werden. Eine solche Distribution ist wichtig für den Erfolg des Linux-Betriebssystems im kommerziellen Markt und muss von Organisationen angeboten werden, die freie Software erfolgreich verfechten und voranbringen können ohne den Druck von Gewinnen und Erträgen. A.2. Warum wird Debian erstellt? -------------------------------- Distributionen sind essenziell für die Zukunft von Linux. Sie ersparen dem Benutzer den Aufwand, eine große Anzahl von grundlegenden Werkzeugen ausfindig zu machen, herunter zu laden, zu installieren und zu einem funktionierenden Linux-Systems zu integrieren. Die Bürde der Systemzusammenstellung wird auf den Distributions-Ersteller übertragen, dessen Arbeit von tausenden anderen Nutzern mitbenutzt werden kann. Fast alle Linux-Benutzer werden ihre erste Erfahrung durch eine Distribution machen, und die meisten Nutzer werden die Distribution aus Bequemlichkeit weiter nutzen, auch wenn sie mit dem Betriebssystem vertraut sind. Daher spielen Distributionen wirklich eine wichtige Rolle. Trotz ihrer offensichtlichen Bedeutung haben Distributionen bisher nur wenig Aufmerksamkeit von Entwicklern bekommen. Dafür gibt es einen einfachen Grund: sie sind nicht einfach zusammenzustellen, bringen nicht viel Prestige und erfordern sehr viel und andauernden Aufwand des Gründers um die Distribution fehlerfrei und aktuell zu halten. Es ist eine Sache, ein System vom Grund auf zusammenzustellen. Aber sicher zu stellen, dass das System für andere einfach zu installieren ist, dass es auf vielen verschiedenen Hardwarekombinationen installierbar und benutzbar ist, Software enthält, die andere nützlich finden, und aktualisiert wird, wenn die Komponenten selber verbessert werden, ist eine ganz andere Sache. Viele Distributionen begannen als ziemlich gute Systeme, aber mit der Zeit wurde die Betreuung der Distribution zweitrangig. Ein Beispiel dafür ist das Softlanding Linux-System (eher bekannt als SLS). Sie ist ziemlich sicher die Distribution mit den meisten Fehlern und die am schlechtesten betreute; unglücklicherweise ist sie ganz sicher auch die populärste. Sie ist ohne Frage auch die Distribution, die am meisten Aufmerksamkeit von den vielen kommerziellen »Distributoren« von Linux auf sich zieht, die entstanden sind, um von der zunehmenden Popularität des Betriebssystem zu profitieren. Dies ist in der Tat ein unglückliches Zusammentreffen, da die meisten Leute, die Linux von einem dieser »Distributoren« erwerben, eine fehlerbehaftete und schlecht betreute Linux-Distribution bekommen. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, haben diese »Distributoren« dann auch noch eine beunruhigende Tendenz, nicht funktionierende oder extrem instabile Fähigkeiten ihres Produkts irreführend anzupreisen. Kombinieren Sie dies mit der Tatsache, dass die Käufer von dem Produkt natürlich erwarten, dass es die beworbenen Eigenschaften hat und dass viele es für ein kommerzielles Betriebssystem halten werden (es gibt ebenfalls eine Tendenz, nicht zu erwähnen, dass Linux frei ist oder dass es unter der GNU General Public License vertrieben wird). Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, erwirtschaften diese »Distributoren« mit ihren Leistungen genug Geld, um größere Anzeigen in mehr Zeitungen zu schalten; es ist das klassische Beispiel der Belohnung von inakzeptablem Verhalten durch diejenigen, die es einfach nicht besser wissen. Offensichtlich muss etwas getan werden, um diesen Missstand abzustellen. A.3. Wie wird Debian versuchen, diese Schwierigkeiten zu beenden? ----------------------------------------------------------------- Der Debian-Entwicklungsprozess ist offen, um sicherzustellen, dass das System von höchster Qualität ist und dass es die Bedürfnisse seiner Nutzer widerspiegelt. Durch die Einbindung dritter Personen mit einer großen Bandbreite an Fähigkeiten und Hintergrundwissen kann Debian in einer modularen Art und Weise entwickelt werden. Seine Komponenten sind von hoher Qualität, da Personen mit Fachwissen in einem bestimmten Gebiet die Möglichkeit gegeben wird, individuelle Komponenten von Debian mit Bezug zu ihrem Fachgebiet zu entwickeln oder zu betreuen. Die Beteiligung Dritter stellt auch sicher, dass wertvolle Vorschläge für Verbesserungen während der Entwicklung der Distribution aufgenommen und umgesetzt werden können; dadurch wird eine Distribution erstellt, die sich an den Wünschen und Bedürfnissen ihrer Nutzer orientiert anstatt an den Wünschen und Bedürfnissen des Erstellers. Es ist für einen einzelnen oder eine kleine Gruppe sehr schwierig, diese Wünsche und Bedürfnisse im voraus – ohne direkte Rückmeldung der Nutzer – zu erkennen. Debian-Linux wird von der Free Software Foundation und der Debian Linux Association auch auf physischen Medien vertrieben werden. Damit ist Debian auch für Benutzer ohne Zugang zum Internet oder FTP erhältlich und ermöglicht das Angebot zusätzlicher Produkte und Dienstleistungen wie gedruckter Handbücher und technischer Unterstützung für alle Benutzer des Systems. Auf diese Art kann Debian von mehr Menschen und Organisationen benutzt werden als anders möglich wäre. Der Fokus wird auf der Bereitstellung eines erstklassigen Produktes liegen und nicht auf Gewinnen oder Erträgen und der Gewinn aus den angebotenen Produkten und Dienstleistungen wird genutzt werden, um die Software selbst für alle Nutzer zu verbessern, ob sie dafür bezahlt haben oder nicht. Die Free Software Foundation spielt eine extrem wichtige Rolle für Debians Zukunft. Durch die einfache Tatsache, dass sie es vertreiben wird, wird ein Zeichen gesetzt, dass Linux kein kommerzielles Produkt ist und dass es niemals eines sein sollte, aber dass dies nicht bedeutet, dass Linux eines Tages nicht in der Lage sein wird, mit kommerziellen Produkten zu konkurrieren. Diejenigen, die anderer Meinung sind, fordere ich auf, den Erfolg von GNU Emacs und GCC zu erklären, die beide nicht-kommerzielle Software sind, die aber nichtsdestoweniger einen großen Einfluss auf den kommerziellen Markt hatten. Die Zeit ist gekommen, sich auf die Zukunft von Linux zu konzentrieren anstatt auf das destruktive Ziel, sich selbst zu bereichern auf Kosten der gesamten Linux-Gemeinschaft und ihrer Zukunft. Die Entwicklung und Verteilung von Debian wird vielleicht nicht die Antwort auf die Probleme sein, die ich innerhalb des Manifests skizziert habe, aber ich hoffe, dass es zumindest genug Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird, um diese Probleme schlussendlich zu lösen. ------------------------------------------------------------------------------- Eine kurze Geschichte von Debian Debian-Dokumentationsteam 2.17 (zuletzt am 10. August 2012 überarbeitet)