5.1. Starten des Installers auf Alpha-Systemen

5.1.1. Alpha Console-Firmware

Die Konsolen-Firmware ist in einem Flash-ROM gespeichert und wird gestartet, wenn ein Alpha-System eingeschaltet oder resettet wird. Es gibt zwei verschiedene Konsolen-Spezifikationen auf Alpha-Systemen und deswegen sind auch zwei Arten von Konsolen-Firmware verfügbar:

  • SRM Console basiert auf der Alpha Console Subsystem-Spezifikation, die eine Betriebsumgebung für OpenVMS, Tru64 UNIX und Linux-Betriebssysteme zur Verfügung stellt.

  • ARC, AlphaBIOS oder ARCSBIOS Console basiert auf der Advanced RISC Computing-(ARC)Spezifikation, die eine Betriebsumgebung für Windows NT zur Verfügung stellt.

Aus der Perspektive des Benutzers gesehen ist der wichtigste Unterschied zwischen SRM und ARC, dass die Wahl der Konsole die möglichen Partitionsschemata der Festplatte einschränkt, von der Sie booten möchten.

ARC erfordert, dass Sie eine MS-DOS-Partitionstabelle für die Boot-Platte verwenden (wie sie durch cfdisk erstellt wird). Deswegen ist die MS-DOS-Partitionstabelle das „native“ Partitionsformat, wenn man von ARC bootet. Da AlphaBIOS allerdings ein Festplatten-Partitionierungswerkzeug enthält, sollten Sie es vorziehen, Ihre Festplatten über das Firmware-Menü zu partitionieren, bevor Sie Linux installieren.

Auf der anderen Seite ist SRM inkompatibel[4] zu MS-DOS-Partitionstabellen. Da Tru64 Unix das BSD-Disklabel-Format benutzt, ist dies das „native“ Partitionsformat für SRM-Installationen.

GNU/Linux ist das einzige Betriebssystem, das auf Alpha-Systemen von beiden Konsolentypen gebootet werden kann, aber Debian GNU/Linux 4.0 unterstützt nur das Booten von SRM-basierten Systemen. Wenn Sie eine Alpha-Maschine haben, für die keine SRM-Version verfügbar ist, wenn Sie ein Dual-Boot-System mit Windows-NT aufbauen möchten oder wenn Ihr Boot-Laufwerk für die BIOS-Initialisierung ARC-Konsolen-Support benötigt, können Sie nicht den Debian GNU/Linux 4.0-Installer verwenden. Sie können aber trotzdem Debian GNU/Linux 4.0 auf dieser Maschine laufen lassen, indem Sie andere Installationsmedien benutzen; z.B. können Sie zunächst Debian Woody mit MILO installieren und dann auf ein aktuelles Debian aktualisieren.

Da MILO für keines der Alpha-Systeme der laufenden Produktion (seit Februar 2000) verfügbar ist und weil es nicht mehr nötig ist, eine OpenVMS- oder Tru64 Unix-Lizenz zu kaufen, um SRM-Firmware für ältere Alpha-Systeme zu bekommen, wird empfohlen, dass Sie wenn möglich SRM benutzen.

Die folgende Tabelle fasst verfügbare und unterstützte Systemtypen bzw. Konsolenkombinationen zusammen (Abschnitt 2.1.2, „CPUs, Mainboards und Grafikunterstützung“ enthält Infos über die Systemtypen-Bezeichnungen). Das Wort „ARC“ in der Tabelle kennzeichnet alle ARC-konformen Konsolen.

Systemtyp Unterstützter Konsolentyp
alcor ARC oder SRM
avanti ARC oder SRM
book1 nur SRM
cabriolet ARC oder SRM
dp264 nur SRM
eb164 ARC oder SRM
eb64p ARC oder SRM
eb66 ARC oder SRM
eb66p ARC oder SRM
jensen nur SRM
lx164 ARC oder SRM
miata ARC oder SRM
mikasa ARC oder SRM
mikasa-p nur SRM
nautilus ARC (siehe das Handbuch des Motherboards) oder SRM
noname ARC oder SRM
noritake nur SRM
noritake-p nur SRM
pc164 ARC oder SRM
rawhide nur SRM
ruffian nur ARC
sable nur SRM
sable-g nur SRM
sx164 ARC oder SRM
takara ARC oder SRM
xl nur ARC
xlt nur ARC

Generell kann keine der Konsolen Linux direkt booten; es ist immer die Hilfe eines zwischengeschalteten Bootloaders erforderlich. Für die SRM-Konsole gibt es aboot, einen kleinen, plattform-unabhängigen Bootloader. Sehen Sie sich auch das (leider veraltete) SRM-Firmware-HowTo an.

Die Mehrzahl von AlphaServer-Systemen und aller aktuellen Server und Workstations enthalten sowohl SRM wie auch AlphaBIOS in ihrer Firmware. Bei „half-flash“-Maschinen wie den verschiedenen Evaluation-Boards ist es möglich, zwischen den beiden Versionen umzuschalten, indem man die Firmware neu flasht. Auch ist es möglich, ARC/AlphaBIOS von einer Floppy zu starten, wenn SRM einmal installiert ist (benutzen Sie dazu den arc-Befehl). Aus den bereits erwähnten Gründen empfehlen wir, auf SRM umzusteigen, bevor Debian GNU/Linux installiert wird.

Wie auf anderen Architekturen auch sollten Sie die neueste verfügbare Firmware-Version installieren,[5] bevor Sie Debian GNU/Linux installieren. Für Alpha-Systeme können Sie Firmware-Updates auf Alpha Firmware Updates erhalten.

5.1.2. Per TFTP booten

Unter SRM sind Ethernet-Schnittstellen mit ewa benannt und können mit dem show dev-Befehl aufgelistet werden, wie hier (leicht verändert):

>>> show dev
ewa0.0.0.9.0               EWA0              08-00-2B-86-98-65
ewb0.0.0.11.0              EWB0              08-00-2B-86-98-54
ewc0.0.0.2002.0            EWC0              00-06-2B-01-32-B0

Als erstes müssen Sie das Boot-Protokoll einstellen:

>>> set ewa0_protocols bootp

Stellen Sie jetzt sicher, dass der richtige Medientyp eingestellt ist:

>>> set ewa0_mode mode

Mit >>>set ewa0_mode bekommen Sie eine Liste der möglichen Modi.

Um jetzt von der ersten Ethernet-Schnittstelle zu booten, geben Sie ein:

>>> boot ewa0 -flags ""

So wird mit den Standard-Kernel-Parametern gebootet, wie Sie im netboot-Image enthalten sind.

Wollen Sie eine serielle Konsole benutzen, müssen Sie dem Kernel den Parameter console= übergeben. Dies wird mit dem -flags-Argument gemacht, das zum SRM-boot-Kommando hinzugefügt wird. Die seriellen Ports sind wie die entsprechenden Dateien in /dev benannt. Wenn Sie zusätzliche Kernelparameter verwenden, müssen Sie bestimmte Standardoptionen ebenfalls mit angeben, die von den debian-installer-Images benötigt werden. Ein Beispiel: um von ewa0 zu starten und die Konsole auf dem ersten seriellen Port zu nutzen, müssen Sie eintippen:

>>> boot ewa0 -flags "root=/dev/ram ramdisk_size=16384 console=ttyS0"

5.1.3. Booten von CD-ROM mit der SRM-Konsole

Die Debian GNU/Linux-Installations-CDs enthalten verschiedene vorkonfigurierte Boot-Optionen für VGA und serielle Konsole. Tippen Sie

>>> boot xxxx -flags 0

ein, um mittels VGA-Konsole zu booten, wobei xxxx die SRM-Bezeichnung Ihres CD-ROM-Laufwerk ist. Um die serielle Konsole auf dem ersten seriellen Port zu nutzen, tippen Sie folgendes ein:

>>> boot xxxx -flags 1

Und für die Konsole auf dem zweiten seriellen Port dies:

>>> boot xxxx -flags 2



[4] Genauer gesagt, kollidiert das Format des Bootsektors, das die Console-Subsystem-Spezifikation verlangt, mit der Platzierung der DOS-Partitionstabelle.

[5] Außer auf Jensen, wo Linux auf Firmware-Versionen neuer als 1.7 nicht unterstützt wird – siehe http://www.alphalinux.org/faq/FAQ-9.html für mehr Informationen.