D.6. Der Grafische Installer

Die grafische Version des Installers ist nur für eine begrenzte Anzahl von Architekturen verfügbar, unter anderem für Intel x86. Die Funktionalität des grafischen Installers ist grundsätzlich die gleiche wie die des normalen Installers, da er die gleichen Programme verwendet, nur mit einem anderen Frontend (Bedienoberfläche).

Obwohl die Funktionalität identisch ist, hat der grafische Installer trotzdem einige bedeutende Vorteile. Der hauptsächliche Vorteil ist, dass mehr Sprachen unterstützt werden, nämlich solche, die einen Zeichensatz verwenden, der mit dem normalen „newt“-Frontend nicht dargestellt werden kann. Außerdem gibt es einige weitere Vorteile bezüglich der Bedienung, zum Beispiel die Nutzung einer Maus sowie die Möglichkeit, in einigen Fällen mehrere Fragen in einem Bild darstellen zu können.

Der grafische Installer ist auf allen CD-Images und sowie bei der hd-media-Installationsmethode verfügbar. Da er eine separate initrd nutzt (die auch erheblich größer ist als beim normalen Installer), muss er mit installgui gebootet werden statt mit install. Analog dazu werden der Expert- und der Rettungs-Modus mit expertgui beziehungsweise rescuegui gebootet.

Außerdem ist er auf einem speziellen „mini“ ISO-Image erhältlich[25], das hauptsächlich für Testzwecke verwendet wird; bei diesem Image wird einfach mit install gebootet. Es gibt kein Image mit grafischem Installer, dass per netboot gestartet werden kann.

Der grafische Installer benötigt erheblich mehr Arbeitsspeicher als der normale Installer, und zwar 96MB. Falls nicht genügend Speicher verfügbar ist, wird automatisch das normale „newt“-Frontend gebootet.

Sie können zusätzliche Boot-Parameter angeben, wenn Sie den grafischen Installer starten, genauso wie beim normalen Installer. Ein solcher Parameter erlaubt es zum Beispiel, die Maus für Linkshänder zu konfigurieren. Abschnitt 5.2, „Boot-Parameter“ gibt Infos über gültige Parameter.

D.6.1. Den grafischen Installer verwenden

Wie bereits erwähnt, funktioniert der grafische Installer genauso wie der normale Installer und deshalb kann Sie der Rest dieses Handbuchs auch durch den weiteren Installationsprozess leiten.

Wenn Sie es vorziehen, statt der Maus die Tastatur zu verwenden, gibt es zwei Dinge, die Sie wissen sollten. Um eine ausklappbare Liste (wie z.B. die zur Auswahl der Länder sortiert nach Kontinenten) ein- oder auszuklappen, können Sie die Tasten + und - benutzen. Bei Fragen, bei denen mehr als eine Option ausgewählt werden kann (z.B. bei der Auswahl der Programmgruppen), müssen Sie (wenn Sie Ihre Auswahl getroffen haben) zunächst mit der Tab-Taste den Fokus zum Weiter-Knopf wechseln, bevor Sie Enter drücken; einfach nur Enter zu drücken würde die gerade aktive Markierung umschalten, aber nicht den Weiter-Knopf aktivieren.

Um auf eine andere Konsole umzuschalten, müssen Sie zusätzlich die Strg-Taste benutzen, wie beim X-Window-System. Um zum Beispiel auf VT1 umzuschalten, benutzen Sie: Strg-Alt-F1.

D.6.2. Bekannte Probleme

ETCH ist die erste Debian GNU/Linux-Veröffentlichung, die den grafischen Installer und damit eine relativ neue Technologie nutzt. Es gibt einige bekannte Probleme, auf die Sie während der Installation stoßen könnten. Wir gehen davon aus, diese bis zur nächsten Debian GNU/Linux-Version lösen zu können.

  • Auf einigen Seiten sind die Texte nicht schön in Spalten formatiert, wie es eigentlich sein sollte. Das augenscheinlichste Beispiel hierfür ist der erste Bildschirm, auf dem Sie Ihre Sprache auswählen. Ein anderes ist der Hauptbildschirm von partman (dem Partitionierungsprogramm).

  • In einigen Fällen könnte die Eingabe von bestimmten Zeichen nicht funktionieren oder die falschen Zeichen werden angezeigt. Zum Beispiel das „Zusammensetzen“ eines Zeichens aus einem Akzent und dem Buchstaben, unter bzw. über dem der Akzent erscheinen soll, funktioniert nicht.

  • Die Unterstützung für Touchpads auf Laptops ist noch nicht optimal.

  • Sie sollten nicht auf eine andere Konsole umschalten, während der Installer beschäftigt ist; dies könnte dazu führen, dass das Frontend abstürzt. Es wird zwar automatisch neu gestartet, aber dies könnte trotzdem zu Problemen bei der Installation führen. Das Umschalten auf eine andere Konsole, während der Installer auf eine Eingabe wartet, sollte aber ohne Probleme funktionieren.

  • Die Unterstützung für verschlüsselte Partitionen ist eingeschränkt, da es unmöglich ist, zufällige Schlüssel zu erzeugen. Es ist jedoch möglich, eine verschlüsselte Partition unter Verwendung einer Passphrase als Schlüssel einzurichten.

  • Im grafischen Frontend ist es derzeit nicht möglich, eine Shell zu starten. Das bedeutet, dass der entsprechende Eintrag des Hauptmenüs im Installationssystem und im Rettungsmodus nicht angezeigt wird (während er verfügbar ist, wenn Sie das normale textbasierte Frontend benutzen). Stattdessen müssen Sie (wie bereits vorher beschrieben) auf die virtuellen Konsolen VT2 und VT3 wechseln und dort die Shell benutzen.

    Wenn Sie den Installer im Rettungsmodus gestartet haben, könnte es sinnvoll sein, eine Shell in der root-Partition des installierten Systems zu starten. Dies ist möglich, indem Sie (nachdem Sie die Partition ausgewählt haben, so dass sie als root-Partition eingehängt wird) auf VT2 oder VT3 wechseln und den folgenden Befehl eingeben:

    # chroot /target
    



[25] Das mini-ISO-Image kann von einem Debian-Spiegelserver heruntergeladen werden (wie in Abschnitt 4.2, „Dateien von einem Debian-Spiegelserver herunterladen“ beschrieben). Suchen Sie nach „gtk-miniiso“.