5.3. Beseitigen von Problemen während der Installation

5.3.1. Zuverlässigkeit von CD-ROMs

Manchmal schlägt der Start des Installers von CD-ROM fehl, speziell bei älteren CD-ROM-Laufwerken. Auch könnte es möglich sein – sogar wenn erfolgreich von CD-ROM gebootet wurde – dass der Installer die CD-ROM nicht mehr erkennt oder Fehler ausgibt, wenn er während der Installation von der CD liest.

Es gibt viele verschiedene Gründe, die dies verursachen könnten. Wir können hier nur einige allgemeine Probleme auflisten und generelle Empfehlungen geben, wie Sie damit umgehen sollten. Der Rest liegt bei Ihnen.

Es gibt zwei einfache Dinge, die Sie zunächst ausprobieren sollten.

  • Wenn die CD-ROM nicht bootet, überprüfen Sie, ob Sie korrekt eingelegt wurde und nicht verschmutzt ist.

  • Erkennt der Installer die CD-ROM nicht mehr, wählen Sie ein zweites Mal die Option CD-ROM erkennen und einbinden aus dem Menü. Es ist uns bekannt, dass einige Probleme bezüglich DMA bei älteren CD-ROM-Laufwerken auf diese Weise behoben werden können.

Falls dies nicht funktioniert, probieren Sie die Empfehlungen weiter unten aus. Die meisten dieser Empfehlungen gelten sowohl für CD-ROM- wie auch für DVD-Laufwerke, aber wir verwenden der Einfachheit halber nur den Begriff CD-ROM.

Sollten Sie die Installation überhaupt nicht per CD-ROM zum Laufen bekommen, versuchen Sie eine der anderen verfügbaren Installationsmethoden.

5.3.1.1. Allgemeine Probleme

  • Einige ältere CD-ROM-Laufwerke unterstützen nicht das Lesen von Disks, die mit modernen CD-Brennern in hoher Geschwindigkeit gebrannt wurden.

  • Wenn Ihr System von der CD-ROM bootet, heißt das nicht zwingend, dass das Laufwerk auch von Linux unterstützt wird (bzw. vielmehr der Controller, an den Ihr CD-ROM-Laufwerk angeschlossen ist).

  • Einige ältere CD-ROM-Laufwerke arbeiten nicht korrekt, wenn „Direct Memory Access“ (DMA) aktiviert ist.

5.3.1.2. Wie Sie Probleme untersuchen und vielleicht auch lösen

Falls die CD-ROM nicht bootet, versuchen Sie dies:

  • Überprüfen Sie, ob das BIOS Ihres Rechners das Booten von CD-ROM unterstützt (ältere System tun dies möglicherweise nicht) und ob Ihr Laufwerk zu dem Medium kompatibel ist, das Sie nutzen.

  • Falls Sie ein iso-Image heruntergeladen haben, überprüfen Sie, ob die md5sum-Prüfsumme des Images mit der übereinstimmt, die in der Datei MD5SUMS für dieses Image aufgelistet ist. Sie sollten diese Datei dort finden, wo Sie auch das Image heruntergeladen haben.

    $ md5sum debian-testing-i386-netinst.iso
    a20391b12f7ff22ef705cee4059c6b92  debian-testing-i386-netinst.iso
    

    Überprüfen Sie auch, ob die md5sum-Prüfsumme der gebrannten CD korrekt ist. Dies sollten Sie mit dem folgenden Kommando erledigen können. Es nutzt die Größe des Images, um die korrekte Zahl an Bytes von der CD-ROM zu lesen.

    $ dd if=/dev/cdrom | \
    > head -c `stat --format=%s debian-testing-i386-netinst.iso` | \
    > md5sum
    a20391b12f7ff22ef705cee4059c6b92  -
    262668+0 records in
    262668+0 records out
    134486016 bytes (134 MB) copied, 97.474 seconds, 1.4 MB/s
    

Wenn die CD-ROM nicht mehr erkannt wird, nachdem der Installer erfolgreich davon gestartet hat, kann es funktionieren, es einfach noch einmal zu probieren. Haben Sie mehr als ein CD-ROM-Laufwerk, versuchen Sie, die CD-ROM in das andere Laufwerk einzulegen. Funktioniert dies auch nicht oder die CD-ROM wird zwar erkannt, aber es gibt trotzdem Fehler beim Lesen, versuchen Sie die folgenden Empfehlungen. Dazu sind einige grundlegende Linux-Kenntnisse nötig. Um die aufgelisteten Kommandos auszuführen, sollten Sie zunächst auf die zweite virtuelle Konsole (VT2) wechseln und dort die Shell aktivieren.

  • Wechseln Sie auf VT4 oder lesen Sie den Inhalt der Datei /var/log/syslog (nutzen Sie nano als Editor), um zu überprüfen, ob eventuell spezielle Fehlermeldungen vorhanden sind. Überprüfen Sie danach auch die Ausgabe von dmesg.

  • Kontrollieren Sie in der Ausgabe von dmesg, ob Ihr CD-ROM-Laufwerk erkannt wurde. Es sollte etwas ähnliches angezeigt werden wie dies (die Zeilen müssen allerdings nicht zwingend direkt aufeinander folgend angezeigt werden):

    Probing IDE interface ide1...
    hdc: TOSHIBA DVD-ROM SD-R6112, ATAPI CD/DVD-ROM drive
    ide1 at 0x170-0x177,0x376 on irq 15
    hdc: ATAPI 24X DVD-ROM DVD-R CD-R/RW drive, 2048kB Cache, UDMA(33)
    Uniform CD-ROM driver Revision: 3.20
    

    Sollten Sie solche Zeilen nicht finden, besteht die Möglichkeit, dass der Controller, an den Ihr Laufwerk angeschlossen ist, nicht erkannt wurde oder von Linux nicht unterstützt wird. Falls Sie wissen, welcher Treiber dafür benötigt wird, können Sie versuchen, ihn mit modprobe zu laden.

  • Überprüfen Sie, ob eine Gerätedatei (device node) für Ihr CD-ROM-Laufwerk in /dev/ existiert. In dem obigen Beispiel wäre dies /dev/hdc. Es sollte auch /dev/cdroms/cdrom0 existieren.

  • Kontrollieren Sie mittels mount, ob die CD-ROM bereits ins Dateisystem eingebunden ist; falls nicht, erledigen Sie dies manuell:

    $ mount /dev/hdc /cdrom
    

    Achten Sie darauf, ob nach diesem Befehl irgendwelche Fehlermeldungen angezeigt werden.

  • Überprüfen Sie, ob DMA im Moment aktiviert ist:

    $ cd /proc/ide/hdc
    $ grep using_dma settings
    using_dma      1       0       1       rw
    

    Eine „1“ an der ersten Stelle hinter „using_dma“ bedeutet, dass DMA aktiviert ist. Sollte dies so sein, versuchen Sie, es zu deaktivieren:

    $ echo -n "using_dma:0" >settings
    

    Stellen Sie sicher, dass Sie sich in dem Verzeichnis befinden, das zu Ihrem CD-ROM-Laufwerk gehört.

  • Falls während der Installation irgendwelche Probleme auftreten, überprüfen Sie die Integrität der CD-ROM mittels der entsprechenden Option im Hauptmenü des Installers (ziemlich weit unten). Sie können dies auch nutzen, um zu testen, ob die CD-ROM zuverlässig gelesen werden kann.

5.3.2. (Un-)Zuverlässigkeit von Floppy-Disks

Das größte Problem für Leute, die Disketten für die Installation von Debian benutzen, scheint die (Un-)Zuverlässigkeit der Floppy-Disks zu sein.

Die Boot-Floppy ist die Floppy, die die größten Probleme macht, weil sie direkt von der Hardware gelesen wird, bevor Linux bootet. Oft liest der Hardwaretreiber nicht so zuverlässig wie der Linux Floppy-Disk-Treiber und könnte einfach ohne jede Fehlermeldung stoppen, wenn er inkorrekte Daten ausliest. Auch die Disketten können fehlerhaft sein, was sich als Flut von »disk I/O error«-Meldungen zeigt.

Wenn Sie mit einer bestimmten Floppy einen Abbruch der Installation haben, sollten Sie als erstes das Floppy-Disk-Image auf eine andere Diskette schreiben und schauen, ob dies das Problem löst. Die alte Disk einfach nur neu zu formatieren, könnte nicht ausreichend sein, selbst wenn das Neuformatieren und Beschreiben scheinbar ohne Fehler funktioniert. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, die Floppy testweise auf einem anderen System zu beschreiben.

Jemand hat uns berichtet, dass er die Images dreimal auf Diskette schreiben musste, bis eine funktionierte, und mit der dritten Floppy war dann alles in Ordnung.

Normalerweise sollte es nicht nötig sein, das Floppy-Image neu herunterzuladen, wenn Sie aber Probleme feststellen, ist es immer nützlich, über die md5sum-Prüfsummen zu kontrollieren, ob die Images korrekt heruntergeladen wurden.

Andere Benutzer berichteten, dass einfach das mehrmalige Rebooten mit derselben Floppy im Laufwerk zu einem erfolgreichen Bootvorgang geführt hat. Dies alles ist auf fehlerhafte Hardware oder Firmware-Floppy-Driver zurückzuführen.

5.3.3. Boot-Konfiguration

Wenn Sie Probleme haben und der Kernel bleibt während des Bootprozesses hängen oder Ihre Peripherie bzw. Laufwerke werden nicht korrekt erkannt, sollten Sie als erstes die Boot-Parameter überprüfen, die in Abschnitt 5.2, „Boot-Parameter“ erläutert werden.

Oft können Probleme gelöst werden, indem man Erweiterungen und Peripheriegeräte entfernt und dann erneut bootet. Speziell interne Modems, Soundkarten und Plug-n-Play-Geräte können problematisch sein.

Wenn Sie viel Arbeitsspeicher in Ihrem Rechner installiert haben (mehr als 512MB) und der Installer hängt, während der Kernel bootet, müssen Sie möglicherweise ein Boot-Argument angeben, das den Umfang des Speichers vor dem Kernel verbirgt bzw. limitiert, z.B. mem=512m.

5.3.4. Häufige Installationsprobleme unter Intel x86

Es gibt einige bekannte Installationsprobleme, die gelöst oder vermieden werden können, indem man dem Installer entsprechende Bootparameter mit gibt.

Einige Systeme haben Floppy-Laufwerke mit „invertierten DCLs“. Wenn Sie Probleme haben, von der Floppy-Disk zu lesen, obwohl Sie wissen, dass die Disk in Ordnung ist, versuchen Sie den Parameter floppy=thinkpad.

Auf einigen System wie dem IBM PS/1 oder ValuePoint (die ST-506-Laufwerkstreiber haben) werden IDE-Laufwerke unter Umständen nicht korrekt erkannt. Versuchen Sie es hier zunächst ohne Boot-Parameter und überprüfen Sie, ob das IDE-Laufwerk richtig erkannt wird. Falls nicht, bestimmen Sie die Geometrie-Parameter Ihrer Festplatte (Zylinder, Köpfe und Sektoren) und nutzen Sie das Boot-Argument hd=Zylinder,Köpfe,Sektoren.

Wenn Sie eine sehr alte Maschine haben und der Kernel nach der Meldung Checking 'hlt' instruction... hängt, versuchen Sie es mit dem Boot-Argument no-hlt, das diesen Test deaktiviert.

Wenn Ihr Bildschirm ein eigenartiges Bild zeigt, während der Kernel bootet, z.B. komplett weiß, komplett schwarz oder farbiger Pixelmüll, enthält Ihr Rechner möglicherweise eine problematische Grafikkarte, die nicht ordnungsgemäß in den Framebuffer-Modus schaltet. Sie können dann den Boot-Parameter fb=false video=vga16:off benutzen, um den Framebuffer auf der Konsole zu deaktivieren. In diesem Fall steht aufgrund von eingeschränkter Konsolenfunktionalität nur eine reduzierte Anzahl Sprachen zur Verfügung. Abschnitt 5.2, „Boot-Parameter“ enthält Details zu diesem Thema.

5.3.4.1. Während der PCMCIA-Konfiguration friert das System ein

Einige Laptop-Modelle von Dell sind bekannt dafür, dass Sie sich aufhängen, wenn die PCMCIA-Geräteerkennung versucht, bestimmte Hardwareadressen abzufragen. Andere Modelle können ähnliche Symptome zeigen. Wenn Ihnen solche Probleme unterkommen und Sie kein PCMCIA-Gerät während der Installation benötigen, können Sie PCMCIA komplett deaktivieren, indem Sie den Boot-Parameter hw-detect/start_pcmcia=false benutzen. Nachdem die Installation abgeschlossen ist, können Sie PCMCIA so konfigurieren, dass der problematische Adressbereich ausgeschlossen wird.

Alternativ können Sie den Installer im Experten-Modus booten. Sie werden dann aufgefordert, die Ressourcenbereiche einzugeben, die Ihre Hardware benötigt. Ein Beispiel: wenn Sie einen der oben erwähnten Dell-Laptops besitzen, sollten Sie hier exclude port 0x800-0x8ff eingeben. Im Kapitel „System resource settings“ des PCMCIA-HowTos gibt es eine Liste mit einigen allgemeinen Angaben über Ressourcenbereiche. Beachten Sie, dass Sie alle eventuell vorhandenen Kommata weglassen müssen, wenn Sie Angaben von dieser Quelle in den Installer eingeben.

5.3.4.2. Das System friert ein, während die USB-Module geladen werden

Der Kernel versucht normalerweise, die USB-Module und die USB-Tastatur-Treiber zu laden, um einige nicht standardkonforme USB-Tastaturen unterstützen zu können. Allerdings gibt es einige gestörte USB-Systeme, bei denen sich der Treiber während des Ladens aufhängt. Eine Möglichkeit, dies zu umgehen, ist, den USB-Controller im BIOS des Mainboards zu deaktivieren. Ein anderer Weg wäre, den Parameter debian-installer/probe/usb=false am Boot-Prompt einzugeben; dies verhindert, dass die Module geladen werden.

5.3.5. Die Startmeldungen des Kernels deuten

Während des Boot-Prozesses können Sie viele Meldungen der Form can't find something (kann irgendetwas nicht finden) oder something not present (irgendetwas nicht vorhanden), can't initialize something, (kann irgendetwas nicht initialisieren) oder sogar this driver release depends on something (diese Treiberversion ist abhängig von irgendetwas) sehen. Die meisten dieser Meldungen sind harmlos. Sie erscheinen, weil der Kernel des Installationssystems gebaut wurde, um auf vielen Maschinen mit viel verschiedener Hardware zu funktionieren. Wahrscheinlich wird kein Rechner alle möglichen Peripheriegeräte beinhalten, deswegen wird das Betriebssystem wohl immer etwas zu beklagen haben, wenn es Peripherie sucht, die Sie nicht besitzen. Sie werden vielleicht auch feststellen, dass das System für eine Weile pausiert. Dies kommt vor, wenn es auf die Antwort eines Gerätes wartet, das in Ihrem System nicht vorhanden ist. Wenn Sie meinen, dass die Zeit zum Booten des Systems unakzeptabel lang ist, können Sie später einen eigenen, maßgeschneiderten Kernel erstellen (siehe auch Abschnitt 8.6, „Einen neuen Kernel kompilieren“).

5.3.6. Installationsprobleme berichten

Wenn Sie zwar die anfängliche Boot-Phase hinter sich bringen, aber die Installation nicht abschließen können, kann die Auswahl des Eintrags „Debug-Logs speichern“ hilfreich sein. Dabei können System-Fehlermeldungen und Konfigurationsdaten vom Installer auf eine Floppy-Disk gespeichert oder mittels eines Webbrowsers heruntergeladen werden. Diese Informationen können Hinweise darauf geben, was schief gelaufen ist und wie man dies beheben kann. Wenn Sie einen Fehlerbericht einschicken, sollten Sie diese Informationen dem Bericht beilegen.

Andere sachdienliche Installationsmeldungen findet man während der Installation in /var/log/ und nachdem das neu installierte System gebootet wurde in /var/log/installer/.

5.3.7. Installationsberichte einschicken

Wenn Sie immer noch Probleme haben, senden Sie uns einen Installationsbericht (in englischer Sprache bitte). Wir bitten ebenfalls darum, uns Berichte schicken, wenn die Installation erfolgreich war, so dass wir so viele Informationen wie möglich über die riesige Zahl von Hardwarekonfigurationen bekommen.

Bedenken Sie, dass Ihr Installationsbericht im Debian Fehlerverfolgungssystem (Debian Bug Tracking System, BTS) veröffentlicht und an eine öffentliche Mailingliste weitergeleitet wird. Verwenden Sie also eine E-Mail-Adresse, bei der Sie nichts dagegen haben, dass sie öffentlich gemacht wird.

Falls Sie bereits ein funktionierendes Debian-System haben, ist dies der einfachste Weg, um uns einen Installationsbericht zu schicken: installieren Sie die Pakete installation-report und reportbug (mit aptitude install installation-report reportbug), konfigurieren Sie reportbug wie in Abschnitt 8.5.2, „E-Mails nach außerhalb verschicken“ beschrieben und führen Sie dann den Befehl reportbug installation-reports aus.

Sie können alternativ diese Vorlage benutzen, um Installationsberichte zu verfassen, und schicken Sie ihn dann als Fehlerbericht gegen das Pseudo-Paket installation-reports ein, indem Sie ihn an senden.

Package: installation-reports

Boot method: <How did you boot the installer? CD? floppy? network?>
Image version: <Full URL to image you downloaded is best>
Date: <Date and time of the install>

Machine: <Description of machine (eg, IBM Thinkpad R32)>
Processor:
Memory:
Partitions: <df -Tl will do; the raw partition table is preferred>

Output of lspci -nn and lspci -vnn:

Base System Installation Checklist:
[O] = OK, [E] = Error (please elaborate below), [ ] = didn't try it

Initial boot:           [ ]
Detect network card:    [ ]
Configure network:      [ ]
Detect CD:              [ ]
Load installer modules: [ ]
Detect hard drives:     [ ]
Partition hard drives:  [ ]
Install base system:    [ ]
Clock/timezone setup:   [ ]
User/password setup:    [ ]
Install tasks:          [ ]
Install boot loader:    [ ]
Overall install:        [ ]

Comments/Problems:

<Description of the install, in prose, and any thoughts, comments
      and ideas you had during the initial install.>

Beschreiben Sie in dem Bericht, was das Problem ist (inklusive der letzten sichtbaren Kernelmeldungen, falls der Kernel sich aufgehangen hat). Beschreiben Sie die Schritte, die Sie durchgeführt haben und die das System in den problematischen Zustand gebracht haben.