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Hinweise zur Debian GNU/Linux 4.0-Veröffentlichung (»Etch«) auf Intel x86
Kapitel 3 - Installationssystem


Der Debian-Installer ist das offizielle Installationssystem für Debian. Er stellt eine breite Auswahl an Installationsmethoden zur Verfügung. Welche Methoden auf Ihrem System möglich sind, hängt von der Architektur Ihres Systems ab.

Images des Installationssystems für Etch sind ebenso auf der Debian-Webseite zu finden wie eine Installations-Anleitung.

Der Installations-Leitfaden ist ebenfalls auf der ersten CD bzw. DVD des offiziellen CD/DVD-Satzes enthalten:

     /doc/install/manual/Sprache/index.html

Sie sollten auch die Errata des Debian-Installers auf bekannte Probleme hin überprüfen.


3.1 Was ist neu im Installationssystem?

Es hat seit seiner offiziellen Veröffentlichung mit Sarge eine umfangreiche Entwicklung am Debian-Installer stattgefunden, was sich in verbesserter Hardware-Unterstützung sowie in einigen tollen neuen Funktionen zeigt.

In diesen Hinweisen zur Veröffentlichung werden wir lediglich die größeren Veränderungen im Installer auflisten. Eine Übersicht der detaillierten Änderungen seit Sarge ist bei den Ankündigungen zu den Beta- und RC-Versionen für Etch im Archiv der Webseite Letzte Neuigkeiten zum Debian-Installer zu finden.


3.1.1 Größere Änderungen

Kein Neustart während der Installation

Die Installation war in zwei Teile geteilt: das Einrichten des Grundsystems sowie alles Notwendige, um es bootfähig zu machen, gefolgt von einem Neustart und danach dem Starten von base-config, das sich um Dinge wie die Einrichtung von Benutzerzugängen, die Konfiguration des Paketsystems und die Installation von zusätzlichen Paketen (mittels tasksel) kümmert.

In Etch wurde diese zweite Hälfte (alles nach dem Neustart) in den Debian-Installer direkt integriert. Dies hat eine Reihe von Vorteilen, darunter eine Erhöhung der Sicherheit und die Tatsache, dass nach dem Neustart am Ende der Installation das neue System bereits die korrekte Zeitzone hat und sofort die grafische Benutzeroberfläche startet (falls eine Desktop-Umgebung installiert wurde).

UTF-8-Kodierung neuer Standard für installierte Systeme

Der Installer richtet das System so passend ein, dass UTF-8 statt der alten sprachspezifischen Kodierungen (wie ISO-8859-1, EUC-JP oder KOI-8) benutzt wird.

Mehr Flexibilität beim Partitionieren

Es ist jetzt möglich, mittels geführter Partitionierung Dateisysteme auf einem LVM-Volume zu erstellen.

Außerdem kann der Installer verschlüsselte Dateisysteme einrichten. Während der manuellen Partitionierung haben Sie die Wahl zwischen dm-crypt und loop-aes, mit einer Passphrase oder einem zufälligen Schlüssel und Sie können noch verschiedene andere Optionen einstellen. Bei der geführten Partitionierung wird der Installer eine verschlüsselte LVM-Partition erzeugen, die alle anderen Dateisysteme (außer /boot) als logische Volumes enthält.

Grafische Benutzeroberfläche

Falls Sie eine grafische Oberfläche bevorzugen, versuchen Sie, den Installer mit installgui zu starten.

Die Funktionalität des grafischen Installers ist nahezu identisch mit der des normalen textbasierten Installers, es unterscheidet sich lediglich die Art und Weise der Darstellung. Allerdings gibt es eine Ausnahme: die grafische Oberfläche unterstützt nicht die Einrichtung von verschlüsselten Partitionen mit zufälligen Schlüsseln.

Hinweis: die grafische Oberfläche ist nicht für alle Architekturen verfügbar.

Rettungsmodus

Sie können den Installer verwenden, um Probleme an Ihrem System zu beheben, zum Beispiel, wenn es nicht mehr startet. Die ersten Schritte sind die gleichen wie bei einer normalen Installation, aber der Installer wird nicht das Partitionierungsprogramm starten. Stattdessen bietet er ein Menü mit Optionen zur Systemrettung an.

Der Rettungsmodus kann aktiviert werden, indem der Installer mit rescue gestartet wird, oder durch hinzufügen des Boot-Parameter rescue/enable=true.

sudo statt des root-Zugangs benutzen

Während einer expert-Installation kann entschieden werden, keinen root-Zugang einzurichten (dieser wird dann gesperrt), sondern stattdessen sudo zu konfigurieren, so dass der erste eingerichtete Benutzer diesen für die Systemadministration benutzen kann.

Kryptografische Verifikation heruntergeladener Pakete

Pakete, die vom Installationssystem heruntergeladen werden, werden nun kryptografisch mit apt überprüft. Dadurch wird es nun deutlich schwerer, ein über Netz installiertes System zu kompromotieren.

Vereinfachte E-Mail-Konfiguration

Falls das »Standard System« installiert wird, setzt das Installationssystem eine einfache Konfiguration eines E-Mail-Servers des Systems auf, so dass lokale E-Mails zugestellt werden. Der E-Mail-Server steht für andere Systeme des Netzwerks nicht zur Verfügung. Damit das System nicht-lokale E-Mails weiterverarbeiten kann (weitersenden oder empfangen), muss das E-Mail-System nach der Installation neu konfiguriert werden.

Desktop Auswahl

Das Installationssystem wird einen GNOME-Desktop als Standard-Desktop installieren, falls der Benutzer eine Desktop-Installation vornimmt.

Benutzer, die andere Desktop-Umgebungen installieren wollen, können dies durch die Boot-Parameter tasks="standard, kde-desktop" für KDE und tasks="standard, xfce-desktop" für Xfce. Achtung, diese Methode funktioniert nicht, wenn von einer vollständigen CD ohne einen Netzwerk-Spiegel installiert wird; sie funktioniert, wenn eine DVD oder eine andere Installationsmethode verwendet wird.

Es stehen separate CD-Images zur Verfügung, die KDE bzw. Xfce als Standard-Desktop installieren.

Neue Sprachen

Dank der großen Anstrengungen der Übersetzer kann Debian jetzt im textbasierten Installationssystem in 47 Sprachen installiert werden. Dies sind sechs Sprachen mehr, als im Installationssystem von Sarge. Die in dieser Veröffentlichung neue Sprachen sind: Weißrussisch, Esperanto, Estnisch, Kurdisch, Mazedonisch, Tagalog, Vietnamesisch und Wolof. Durch das Fehlen von aktuellen Übersetzungen mussten leider die Übersetzungen in zwei Sprachen für diese Veröffentlichung eingestellt werden. Dies sind Persisch und Walisisch.

Falls die grafische Oberfläche benutzt wird, werden zusätzlich elf weitere Sprachen unterstützt. Diese Sprachen können nur in diesem Installationssystem ausgewählt werden, da ihre Zeichen in einer nicht-grafischen Umgebung nicht dargestellt werden können. Diese neuen Sprachen sind: Bengalisch, Dzongkha, Gujarati, Hindi, Georgisch, Khmer, Malaysisch, Nepalisch, Punjabi, Tamil und Thai.

Benutzer, die keine Lokalisierung (Standorteinstellung) benutzen möchten, können jetzt C als ihre bevorzugte Standorteinstellung (locale) in der Sprachauswahl im Installer auswählen. Weitere Informationen über die Sprachabdeckung ist unter d-i languages list verfügbar.

Vereinfachte Lokalisierung und Auswahl der Zeitzone

Die Konfiguration von Sprache, Land und Zeitzone wurde vereinfacht, um die vom Benutzer benötigte Informationsmenge zu minimieren. Das Installationssystem wird nun anhand der gewählten Sprache versuchen, Land und Zeitzone zu erraten oder eine eingeschränkte Auswahl anzubieten, falls es nicht anders gehen sollte. Benutzer können weiterhin obskure Kombinationen auswählen, falls sie es benötigen.

Vereinfachte systemweite Lokalisation

Die meisten Internationalisierungs- und Lokalisierungs-Tasks, die bisher vom localization-config-Werkzeug gehandhabt wurden, sind nun direkt im Installationssystem oder den Paketen selbst integriert. Dies bedeutet, dass die Auswahl einer Sprache automatisch die Installation der für diese Sprache notwendigen Pakete (Wörterbücher, Dokumentation, Schriftarten, ...) sowohl in Standard- als auch in Desktop-Umgebungen mit sich bringt. Konfigurationen, die nicht mehr automatisch gehandhabt werden, betreffen die Papiergröße und einige weiterführende Einstellungen für die Tastatur unter X Windows bei einigen Sprachen.

Achtung: Sprachspezifische Pakete werden nur dann automatisch installiert, falls sie während der Installation verfügbar sind.


3.1.2 Automatisierte Installation

Viele Änderungen, die im vorherigen Kapitel erwähnt wurden, bringen auch Veränderungen bei der Unterstützung des Installers für automatisierte Installationen mittels Voreinstellungsdateien mit sich. Das bedeutet, dass Sie nicht erwarten können, dass diese ohne Anpassung mit dem neuen Installer funktionieren, falls Sie Voreinstellungsdateien haben, die mit dem Sarge-Installer funktioniert hatten.

Die gute Nachricht hierzu ist, dass der Installations-Leitfaden jetzt einen separaten Anhang mit ausführlicher Dokumentation über die Nutzung der Voreinstellung enthält.

Der Etch-Installer führt einige tolle neue Funktionen ein, die erweiterte und einfachere Automatisierung von Installationen erlauben. So wurde zum Beispiel Unterstützung für erweiterte Partitionsschemata mit RAID, LVM und verschlüsseltem LVM hinzugefügt. Weitere Details sind in der Dokumentation.


3.2 Beliebtheitswettbewerb

Das Installationssystem wird Ihnen wieder anbieten, das Paket popularity-contest zu installieren. Dieses Paket wurde in Sarge standardmäßig nicht installiert, allerdings in älteren Veröffentlichungen.

popularity-contest bietet dem Debian-Projekt wertvolle Informationen darüber, welche Pakete der Distribution in welchem Maße genutzt werden. Diese Informationen werden hauptsächlich dazu genutzt, festzulegen, in welcher Reihenfolge die Pakete auf den Installations-CDs enthalten sein sollten, aber sie werden auch oft von Debian-Entwicklern herangezogen, wenn es um die Frage geht, ob ein verwaistes Paket (das keinen Betreuer mehr hat) adoptiert werden sollte oder nicht.

Die Informationen von popularity-contest werden anonym verarbeitet. Wir würden es begrüßen, falls Sie an dieser offiziellen Umfrage teilnehmen würden; Sie helfen damit, Debian weiter zu verbessern.


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Hinweise zur Debian GNU/Linux 4.0-Veröffentlichung (»Etch«) auf Intel x86

$Id: release-notes.de.sgml,v 1.69 2007-08-16 22:36:22 jseidel Exp $

Josip Rodin, Bob Hilliard, Adam Di Carlo, Anne Bezemer, Rob Bradford (derzeit), Frans Pop (derzeit), Andreas Barth (derzeit), Javier Fernández-Sanguino Peña (derzeit), Steve Langasek (derzeit)
debian-doc@lists.debian.org