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Hinweise zur Debian GNU/Linux 4.0-Veröffentlichung (»Etch«) auf PowerPC
Kapitel 2 - Was ist neu in Debian GNU/Linux 4.0?


Diese Veröffentlichung fügt offiziell die Unterstützung für die AMD64-Architektur hinzu, welche 64-Bit-Prozessoren von Intel (EM64T) und AMD (AMD64) unterstützt. Im vorherigen Release, Debian GNU/Linux 3.1 (»Sarge«), war eine inoffizielle Version dieser Portierung verfügbar.

Die offizielle Unterstützung für die Motorola 680x0- (»m68k«) Architektur wurde entfernt, da sie nicht die Kriterien der Debian Release-Manager erfüllte. Die wichtigsten Gründe waren die Rechnerleistung und mangelnde Unterstützung der Originalautoren (upstream) der essenziellen Werkzeuge. Allerdings wird erwartet, dass die m68k-Portierung aktiv bleibt und zur Installation bereit ist, auch falls sie nicht Teil der offiziellen stable-Veröffentlichung wird.

Die folgenden Architekturen werden in Debian GNU/Linux Etch offiziell unterstützt:

Details über den Portierungsstatus und portierungsspezifische Informationen sind auf den Debian-Portierungs-Webseiten zu finden.


2.1 Was ist auf der PowerPC-Architektur neu?

Diese Veröffentlichung unterstützt die 64-Bit PowerPC-Architektur (IBM pSeries, Apple G5 Powermacs). Die Unterstützung für Apple Apus Unterarchitektur wurde ebenso wie die Unterstützung der Apple Nubus Unterarchitektur eingestellt.

Tastaturen von iBooks und Powerbooks werden nun unter PowerPC vollständig unterstützt (in X) und es werden (im Gegensatz zu Sarge) keine maßgeschneiderten xmodmaps mehr benötigt.


2.2 Was ist neu in der Distribution?

Diese neue Debian GNU/Linux-Veröffentlichung enthält wieder weitaus mehr Software als ihr Vorgänger Sarge; sie enthält über 6500 neue Pakete, insgesamt also mehr als 18200 Pakete. Der größte Teil der Software dieser Distribution – annähernd 10700 Pakete (das sind 68 % der Pakete von Sarge) – wurde aktualisiert. Auch mussten einige Pakete aus verschiedenen Gründen aus der Distribution entfernt werden (über 3500, 23 % der Pakete aus Sarge). Es sind keine Aktualisierungen für diese Pakete vorhanden und im Paketverwaltungssystem werden sie als »obsolete« (veraltet) markiert.

Mit diesem Release von Debian GNU/Linux wird von XFree86 auf die Version 7.1 von X.Org gewechselt. Diese unterstützt eine größere Hardwarevielfalt und verfügt über bessere automatische Erkennung. Sie erlaubt auch die Verwendung von Compiz, einem der ersten Window Manager (Fensterverwalter) für das X Window System, mit dem die Vorteile von OpenGL-Beschleunigung auf der Hardware (für unterstützte Geräte) ausgeschöpft werden kann.

Debian GNU/Linux enthält wieder diverse Desktop-Anwendungen und -Umgebungen. Nebst anderen Paketen beinhaltet dieses Release GNOME 2.14[2], KDE 3.5.5a und Xfce 4.4. Anwendungs-Software wurde ebenfalls aktualisiert, einschließlich der Office-Pakete OpenOffice.org 2.0.4a und KOffice 1.6, sowie GNUcash 2.0.5, GNUmeric 1.6.3 und Abiword 2.4.6.

Andere Aktualisierungen von Desktop-Anwendungen sind Evolution 2.6.3 und Gaim 2.0. Die Mozilla-Programmpakete wurden ebenfalls aktualisiert: iceweasel (Version 2.0.0.3) ist eine Variante des Firefox Web-Browsers und icedove (Version 1.5) eine Variante des E-Mail-Programms Thunderbird, die nicht die Marken der Mozilla Foundation nutzen.

Unter vielen anderem wurde auch die folgende Software aktualisiert:

Die offizielle Debian GNU/Linux-Distribution besteht (abhängig von Ihrer Architektur) aus neunzehn bis dreiundzwanzig CDs mit Binärpaketen und einer ähnlichen Anzahl von Medien mit den Quelltexten, außerdem ist auch eine DVD-Version der Distribution erhältlich.


2.2.1 Paketverwaltung

aptitude ist nun die bevorzugte Methode zur Paketverwaltung auf der Konsole. aptitude unterstützt die meisten Befehlszeilenoperationen von apt-get und hat bessere Fähigkeiten bei der Auflösung von Abhängigkeiten als apt-get bewiesen. Falls Sie immer noch dselect benutzen, sollten Sie auf die offizielle Oberfläche aptitude zur Paketverwaltung umsteigen.

Secure APT ist nun in Etch. Diese Fähigkeit sorgt für zusätzliche Sicherheit von Debian GNU/Linux-Systemen, indem sie starke Kryptografie und digitale Signaturen zum Verifizieren heruntergeladener Pakete unterstützt. Diese Veröffentlichung enthält das Programm apt-key, um dem Schlüsselring von apt neue Schlüssel hinzuzufügen. Standardmäßig wird nur der derzeitige Schlüssel zum Signieren des Debian-Archives im Paket debian-archive-keyring berücksichtigt.

In seiner Standardkonfiguration wird apt nun warnen, falls Pakete aus Quellen heruntergeladen werden, die nicht authentifiziert werden konnten. Zukünftige Versionen könnten es erzwingen, Pakete zu verifizieren, bevor sie heruntergeladen werden. Administratoren inoffizieller apt-Depots sollten einen kryptografischen Schlüssel erstellen, ihre Release-Dateien signieren und ihren öffentlichen Schlüssel auf einem sicheren Weg zur Verfügung stellen.

Weitere Informationen sind in apt(8), dem Kapitel Paketsignierung in Debian der Anleitung zum Absichern von Debian und dem Debian-Wiki zu finden.

Eine neue Fähigkeit von apt ist die Möglichkeit, lediglich die Änderungen der Packages-Dateien seit ihrer letzten Aktualisierung herunterzuladen. Siehe dazu auch Langsames Auffrischen von APT-Paketindex-Dateien, Abschnitt 5.1.4.


2.2.2 debian-volatile ist jetzt ein offizieller Service

Der debian-volatile-Service, der als inoffiziell in Sarge eingeführt wurde, ist jetzt ein offizieller Debian GNU/Linux-Service.

Das bedeutet, dass er nun eine .debian.org-Adresse[3] hat. Falls dieser Dienst bereits genutzt wurde, sollte die Datei /etc/apt/sources.list entsprechend angepasst werden.

debian-volatile erlaubt es Benutzern, stable-Pakete, die sich schnell-ändernde Informationen enthalten, einfach zu aktualisieren. Beispiele sind Signaturen für Virenscanner oder Spam-Filtermuster. Weitere Informationen und eine Liste von Spiegeln sind auf der Webseite dieses Dienstes zu finden.


2.3 Systemverbesserungen

Es gab eine Reihe von Änderungen der Distribution, von der neue Etch-Installationen profitieren, die aber nicht automatisch bei Aktualisierungen von Sarge aktiviert werden. Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über die wichtigsten.

Priorität grundlegender Entwicklerpakete heruntergesetzt

Einige Entwicklerpakete, die eine Priorität von standard hatten, haben nun eine Priorität von optional, so dass sie standardmäßig nun nicht mehr installiert werden. Dies betrifft die Standard C/C++-Compiler, gcc, und diverse andere Software (dpkg-dev, flex, make) und Header-Dateien für Entwickler (libc6-dev, linux-kernel-headers).

Der einfachste Weg, diese Pakete zu installieren, ist das Paket build-essential zu installieren, welches die meisten dieser Pakete mitziehen wird.

SELinux Priorität »standard«, aber standardmäßig deaktiviert

Die für SELinux-Unterstützung benötigten Pakete haben nun eine Priorität von standard. Sie werden also während einer neuen Installation standardmäßig mitinstalliert. Auf existierenden Systemen kann SELinux mit dem folgenden Befehl installiert werden:

     # aptitude install selinux-basics

Bitte beachten: Die SELinux-Unterstützung ist standardmäßig nicht aktiviert. Informationen über das Aufsetzen und Aktivieren von SELinux ist im Debian Wiki enthalten.

Neuer inet-Superdaemon als Standard

Der Standard-inet-Superdaemon in Etch ist nun openbsd-inetd anstelle des netkit-inetd. Er wird nicht gestartet werden, falls keine Dienste (Services) konfiguriert sind (dies ist standardmäßig der Fall). Der neue Daemon wird bei Aktualisierungen automatisch installiert.

Standard-vi-Klon geändert

Der standardmäßig installierte vi-Klon ist nun eine kompakte Version von vim (vim-tiny) anstelle des nvi.

Änderungen der Standard-Fähigkeiten bei ext2/ext3

Neue ext2- und ext3-Dateisysteme werden mit den Fähigkeiten dir_index und resize_inode erstellt. Ersteres erhöht die Geschwindigkeit von Operationen in Verzeichnissen mit vielen Dateien, letzteres ermöglicht es, das Dateisystem online (also während es noch eingebunden ist) in seiner Größe zu verändern.

Benutzer, die von Sarge aktualisieren, sollten sich überlegen, das dir_index-Flag manuell mit tune2fs[4] zu setzen; das resize_inode-Flag kann einem bestehenden Dateisystem nicht hinzugefügt werden. Die gesetzten Flags eines Dateisystem können mit dumpe2fs -h überprüft werden.

Standardkodierung unter Etch ist UTF-8

Die Standardkodierung für neue Debian GNU/Linux-Installationen ist nun UTF-8. Viele Anwendungen sind auch darauf ausgerichtet, UTF-8 als Standard zu verwenden.

Benutzer, die auf Etch aktualisieren und auf UTF-8 wechseln möchten, müssen ihre Umgebung (Environment) und Locale-Definitionen ändern. Systemweit kann dies mit dpkg-reconfigure locales getan werden. Einfach die der gewünschten Sprache und Land entsprechende UTF-8-Locale auswählen und zur Standardeinstellung machen. Es ist zu beachten, dass beim Wechsel auf UTF-8 möglicherweise auch existierende Dateien aus ihrer vorherigen Kodierung nach UTF-8 umgewandelt werden müssen.

Das Paket utf8-migration-tool enthält ein Werkzeug, dass Ihnen bei der Migration helfen kann. Es ist jedoch derzeit jedoch nur in Unstable vorhanden, da es für Etch nicht mehr rechtzeitig fertig wurde. Es wird wärmstens empfohlen, vor dem Anwenden dieses Werkzeugs eine Sicherheitskopie Ihrer Daten und Konfigurationen zu erstellen.

Achtung: Manche Anwendungen können unter UTF-8 aufgrund von Darstellungsproblemen nicht korrekt arbeiten.

Im Debian Wiki sind weitere Informationen über Änderungen zwischen Sarge und Etch zu finden.


2.4 Wichtige Änderungen bezüglich des Kernels

Debian GNU/Linux 4.0 verwendet auf allen Architekturen einen Kernel der Version 2.6.18. Diese Veröffentlichung unterstützt weiterhin Kernel der Version 2.4 [5] Kernel der 2.4er Serie werden aber weder zur Verfügung gestellt noch unterstützt.

Es gab einige große Änderungen sowohl in den Kerneln selbst als auch in der Paketierung der Kernel unter Debian. Einige dieser Änderungen komplizieren die Aktualisierungs-Prozedur und können möglicherweise zu Problemen beim Neustart nach der Aktualisierung auf Etch führen. Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über die wichtigsten Änderungen; mögliche Probleme und Informationen über ihre Vermeidung sind in späteren Kapiteln zu finden.

Bitte bei einer Aktualisierung von einem 2.4er Kernel Auf einen 2.6er Kernel aktualisieren, Abschnitt 5.2 sorgfältig lesen.


2.4.1 Änderungen in der Paketierung der Kernel

Umbenennung der Kernel-Pakete

Alle Linux-Kernel-Pakete wurden von kernel-* nach linux-* umbenannt, um den Namensraum zu bereinigen. Dies erleichtert es später, nicht-Linux basierte Varianten hinzuzufügen.

Wo es möglich war, wurden Pseudo-Pakete für den automatischen Übergang erstellt, die von den neuen Pakete abhängen.


2.4.2 Neue Werkzeuge erstellen initrds

Auf der PowerPC-Architektur benötigen die Kernel-Pakete eine initrd, um das System zu starten. Durch Änderungen des Kernels funktioniert das Werkzeug zur Erstellung von initrds aus Sarge, initrd-tools nicht mehr und kann nicht weiter benutzt werden. Zwei neue Werkzeuge wurden entwickelt, um es zu ersetzen: initramfs-tools und yaird. Die Konzepte hinter den neuen Werkzeugen unterscheiden sich deutlich; ein Überblick ist im Debian-Wiki zu finden. Beide erstellen die initrd mit einem initramfs-Dateisystem, also einem komprimierten cpio-Archiv. Das empfohlene und standardmäßig eingesetzte Werkzeug ist initramfs-tools.

Das Aktualisieren auf einen Etch-Kernel wird initramfs-tools automatisch mit installieren. Wenn von einem 2.4er Kernel auf einen 2.6er Debian-Kernel aktualisiert wird, muss initramfs-tools benutzt werden. yaird wird bei der Installation eines linux-image-2.6-Paketes fehlschlagen, falls ein 2.2er oder 2.4er Kernel benutzt wird.

Das Paket initrd-tools ist weiterhin in Etch enthalten, da es bei Aktualisierungen von Sarge benötigt wird. Es wird mit der nächsten Veröffentlichung entfernt werden.


2.4.3 Dynamische /dev-Verwaltung und Hardware-Erkennung

Etch-Kernel unterstützen kein devfs mehr.

Der Ersatz für devfs ist udev.

udev ist eine Userspace-Implementierung von devfs. udev wird über das /dev-Verzeichnis eingehängt und befüllt es mit vom Kernel unterstützten Geräten. Es wird außerdem – basierend auf vom Kernel generierten Ereignissen – Geräte automatisch hinzufügen und entfernen, wenn Kernel-Module geladen oder entfernt werden. udev ist weitaus vielseitiger als devfs und stellt auch externe Funktionen bereit, die von anderen Paketen (beispielsweise hal (hardware abstraction layer)) benutzt werden.

In Kombination mit dem Kernel kümmert sich udev auch um die Erkennung der Hardware und das Laden der Module für erkannte Geräte. Es kollidiert daher mit hotplug. Unter Sarge war es möglich, discover während des Startens Module laden zu lassen, aber die neue Version in Etch stellt diese Fähigkeit nicht mehr zur Verfügung. discover wird weiterhin von X.Org benutzt, um im System installierte Grafik-Controller zu erkennen.

Falls ein Debian-Kernel installiert wird, wird udev automatisch mitinstalliert werden, da initramfs-tools von udev abhängt.

Die Installation von udev kann vermieden werden, indem ein eigener, nicht-modularer Kernel erstellt, oder ein alternativer initrd-Generator wie zum Beispiel yaird verwendet wird. Jedoch ist initramfs-tools der empfohlene initrd-Generator.


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$Id: release-notes.de.sgml,v 1.69 2007-08-16 22:36:22 jseidel Exp $

Josip Rodin, Bob Hilliard, Adam Di Carlo, Anne Bezemer, Rob Bradford (derzeit), Frans Pop (derzeit), Andreas Barth (derzeit), Javier Fernández-Sanguino Peña (derzeit), Steve Langasek (derzeit)
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