Kapitel 2. Was ist neu in Debian GNU/Linux 5.0

Inhaltsverzeichnis

2.1. Was ist neu in der Distribution?
2.1.1. Paketverwaltung
2.1.2. Der Bereich für vorgeschlagene Aktualisierungen („proposed-updates“)
2.2. Systemverbesserungen
2.3. Wichtige Änderungen in Zusammenhang mit dem Kernel
2.3.1. Änderungen an der Kernelpaketierung
2.4. Emdebian 1.0 (basierend auf Debian GNU/Linux Lenny 5.0)
2.5. Netbook-Unterstützung
2.6. Java jetzt in Debian

Das Wiki hat weitere Informationen zu diesem Thema.

Mit dieser neuen Version wird offiziell ARM EABI (Armel) unterstützt.

Die folgenden Architekturen werden offiziell von Debian GNU/Linux Lenny unterstützt:

Näheres zum Stand der Portierung und Port-spezifische Informationen für Ihre Architektur finden Sie auf Debians Portierungs-Webseiten.

2.1. Was ist neu in der Distribution?

Diese neue Version von Debian erscheint mit viel mehr Software als ihr Vorgänger Etch; die Distribution enthält über 7700 neue Pakete und damit insgesamt über 23200 Pakete. Die meiste Software in der Distribution wurde aktualisiert: über 13400 Softwarepakete (entspricht 72% von allen Paketen in Etch). Auch wurde eine signifikante Zahl von Paketen (über 3100, 17% der Pakete in Etch) aus verschiedenen Gründen aus der Distribution entfernt. Für diese Pakete werden Sie keine Aktualisierungen finden und sie werden in den Paketverwaltungsprogrammen als „veraltet“ markiert sein.

Debian GNU/Linux aktualisiert mit dieser neuen Veröffentlichung X.Org 7.1 auf X.Org 7.3.

Debian GNU/Linux erscheint wieder mit mehreren Desktop-Anwendungen und -Umgebungen. Unter anderen enthält es jetzt die Desktop-Umgebung GNOME 2.22[1], KDE 3.5.10, Xfce 4.4.2 und LXDE 0.3.2.1+svn20080509. Produktionsanwendungen wurden ebenfalls aktualisiert, inklusive der Büroanwendungen OpenOffice.org 2.4.1 und KOffice 1.6.3, sowie GNUcash 2.2.6, GNUmeric 1.8.3 und Abiword 2.6.4.

Aktualisierungen anderer Desktop-Anwendungen schließen Evolution zu Version 2.22.3 und Pidgin zu Version 2.4.3 (bisher bekannt als Gaim) ein. Die Mozilla-Suite wurde auch aktualisiert: Iceweasel (Version 3.0.6) ist der umbenannte Firefox-Browser und Icedove (Version 2.0.0.19) das umbenannte E-Mail-Programm Thunderbird.

Neben weiteren Aktualisierungen sind unter anderem diese enthalten:

PaketVersion in 4.0 (Etch)Version in 5.0 (Lenny)
Apache2.2.32.2.9
BIND DNS-Server9.3.49.5.0
Cherokee Webserver0.5.50.7.2
Courier MTA0.53.30.60.0
Dia0.95.00.96.1
Ekiga-VoIP-Client2.0.32.0.12
Exim Standard-E-Mail-Server4.634.69
GNU Compiler Collection (Kompilier-Sammlung) als Standard-Kompiliersoftware4.1.14.3.2
GIMP2.2.132.4.7
die GNU C-Bibliothek2.3.62.7
Lighttpd1.4.131.4.19
Maradns1.2.12.041.3.07.09
MySQL5.0.325.0.51a
OpenLDAP2.3.302.4.11
OpenSSH4.35.1p1
PHP5.2.05.2.6
Postfix MTA2.3.82.5.5
PostgreSQL8.1.158.3.5
Python2.4.42.5.2
Tomcat5.5.205.5.26

Die offizielle Debian GNU/Linux-Distribution wird jetzt auf 4 bis 5 DVDs oder 28 bis 32 CDs mit Programmen (abhängig von der Architektur) und 4 Quellcode-DVDs oder 28 Quellcode-CDs geliefert. Zusätzlich gibt es eine multi-arch-DVD mit einer Teilmenge der Veröffentlichung für die Amd64- und i386-Architekturen zusammen mit dem Quellcode. Zum ersten Mal wird Debian GNU/Linux auch auf Blu-ray-Images veröffentlicht, auch für die Amd64- und i386-Architekturen zusammen mit dem Quellcode.

Debian GNU/Linux unterstützt nun die Linux Standards Base (LSB), Version 3.2. Debian 4.0 unterstützte 3.1.

2.1.1. Paketverwaltung

aptitude ist das empfohlene Programm zur Paketverwaltung auf der Befehlszeile. Es kann die gleichen Paketverwaltungsfunktionen wie apt-get ausführen und hat sich als besser bei der Abhängigkeitsauflösung erwiesen. Falls Sie immer noch dselect verwenden, sollten Sie zu aptitude als offizielle Oberfläche zur Paketverwaltung wechseln.

Für Lenny wurde ein fortgeschrittener Mechanismus zur Abhängigkeitsauflösung in aptitude implementiert, der versuchen wird, die beste Lösung zu finden, falls Konflikte aufgrund von Abhängigkeitsänderungen auftreten.

2.1.2. Der Bereich für vorgeschlagene Aktualisierungen („proposed-updates“)

Alle Änderungen an der veröffentlichten „Stable“-Distribution (und an „Oldstable“) müssen eine ausgedehnte Testperiode durchlaufen, bevor sie in den Archiven akzeptiert werden. Jede derartige Aktualisierung nennt sich Zwischenveröffentlichung („point release“). Die Vorbereitung für solche Zwischenveröffentlichungen geschieht mit Hilfe des proposed-updates-Mechanismus.

Pakete können proposed-updates auf zwei Wegen erreichen. Zum einen werden Pakete mit Sicherheitsaktualisierungen, die von security.debian.org erscheinen, automatisch auch zu proposed-updates hinzugefügt; zum anderen können Debian GNU/Linux-Entwickler neue Pakete direkt zu proposed-updates hochladen. Die aktuelle Liste der Pakete ist unter http://ftp-master.debian.org/proposed-updates.html zu finden.

Wenn Sie helfen möchten, solche Pakete zu testen, bevor sie offiziell zur Zwischenveröffentlichung hinzugefügt werden, können Sie proposed-updates zu Ihrer sources.list-Datei hinzufügen:

deb     http://mirrors.kernel.org/debian lenny-proposed-updates main contrib
deb-src http://mirrors.kernel.org/debian lenny-proposed-updates main contrib

Wenn Sie das nächste Mal aptitude update ausführen, wird Ihr System über die Pakete im proposed-updates-Bereich informiert und diese für Upgrades berücksichtigen.

Dies ist nicht wirklich eine neue Funktion in Debian, aber eine, der bisher nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde.

2.2. Systemverbesserungen

Es gibt ein Reihe von Änderungen in der Distribution, die einer Neuinstallation von Lenny zugutekommen, aber nicht automatisch bei einem Upgrade von Etch angewandt werden. Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über die wichtigsten Änderungen.

SELinux mit Priorität Standard, ist aber nicht standardmäßig aktiviert

Die Pakete, die für SELinux (Security-Enhanced Linux) benötigt werden, sind auf die Priorität standard geändert worden. Das bedeutet, dass sie bei Neuinstallationen automatisch installiert werden. Für existierende Systeme können Sie SELinux installieren mit:

# aptitude install selinux-basics

Beachten Sie, dass SELinux-Unterstützung nicht standardmäßig aktiviert ist. Informationen über die Einrichtung und Aktivierung von SELinux finden Sie im Debian-Wiki.

Neuer Standard-Syslog-Daemon

Das Paket rsyslog übernimmt die Rolle des Standard-System- und Kernel-Logging-Daemons für Debian 5.0. Es ersetzt syslogd und klogd. Mit typischen Protokollierregeln kann es als direkter Ersatz verwandt werden; falls Sie angepasste Regeln verwenden, sollten Sie diese in die neue Konfigurationsdatei /etc/rsyslog.conf migrieren.

Benutzer, die ein Upgrade von Etch durchführen, müssen rsyslog installieren und sysklogd manuell entfernen. Der voreingestellte Syslog-Daemon wird beim Upgrade auf Lenny nicht automatisch ersetzt.

Bessere Unterstützung von UTF-8

Eine Reihe von Anwendungen werden für UTF-8 als Standard eingerichtet sein oder bessere Unterstützung für UTF-8 bieten als bisher. Beachten Sie http://wiki.debian.org/UTF8BrokenApps zu Anwendungen, die immer noch Probleme mit UTF-8 haben.

Erkennung der Veröffentlichungsrevision

Mit Lenny wird ab sofort die Datei /etc/debian_version die Revisionsnummer der Debian-Veröffentlichung enthalten (5.0, dann 5.0.1. usw,).

Das bedeutet auch, dass Sie nicht erwarten sollten, dass die Datei während der Lebenszeit einer Veröffentlichung konstant bleibt.

Das Debian-Wiki enthält zusätzliche Informationen über Unterschiede zwischen Etch und Lenny.

2.3. Wichtige Änderungen in Zusammenhang mit dem Kernel

Debian GNU/Linux 5.0 erscheint mit der Kernel-Version 2.6.26 für alle Architekturen.

Es hat wichtige Änderungen am Kernel selber, sowie an der Paketierung des Kernels für Debian gegeben. Einige dieser Änderungen verkomplizieren den Upgrade-Prozess und können zu Problemen beim Neustart des Systems nach dem Upgrade zu Lenny führen. Dieser Abschnitt liefert einen Überblick über die wichtigsten Änderungen; Informationen über den Umgang mit potenziellen Problemen sind in späteren Kapiteln zu finden.

2.3.1. Änderungen an der Kernelpaketierung

Binäre Firmware für einige Treiber nach non-free verschoben

Einige Treiber laden binäre Firmware in das Gerät, das sie unterstützen. Während solche Firmware in bisherigen Veröffentlichungen im Kernel enthalten war, ist die heute in seperaten Paketen in der non-free-Sektion gepackt. Wenn Sie die Geräte nach einem Neustart weiterhin verwenden wollen, stellen Sie sicher, dass die notwendige Firmware auf dem installierten System vorhanden ist. Beachten Sie Abschnitt 6.4 der Installationsanleitung für Details.

Neue OpenVZ-Kernel-Variante

Debian GNU/Linux 5.0 stellt bereits gebaute Kernel-Images für OpenVZ, einer zweiten Virtualisierungslösung bereit, die parallel zu der in Etch eingeführten Linux-VServer-Unterstützung erhältlich ist. Die Vorteile von OpenVZ sind unter anderem die Live-Migrationen, es führt aber auch zu einem leicht erhöhtem Systemressourcenverbrauch.

x86-Kernelpakete zusammengeführt

In vorherigen Veröffentlichungen gab es eine spezielle -k7-Variante für 32-Bit AMD-Athlon/Duron/Sempron-Prozessoren. Diese Variante wurde entfernt. Die einzelne -686-Variante bedient alle AMD/Intel/VIA-686-Klasse-Prozessoren.

Wo möglich, wurden Dummy-Übergangspakete bereitgestellt, die über Abhängigkeiten die neuen Pakete installieren.

2.4. Emdebian 1.0 (basierend auf Debian GNU/Linux Lenny 5.0)

Lenny enthält jetzt die Bauwerkzeuge für Emdebian, die es erlauben, Debian-Quellpakete auf nicht-ARM-Systemen zu erstellen und zu verkleinern, um diese dann auf eingebetteten ARM-Systemen einzusetzen.

Die Emdebian-1.0-Distribution enthält selbst bereits erstellte ARM-Pakete, die ausreichen, um ein Wurzeldateisystem zu erstellen, das für spezielle Maschinen und Maschinen-Varianten angepasst werden kann. Kernel und Kernelmodule müssen separat bereitgestellt werden. Unterstützung für Armel und i386 befindet sich in Entwicklung. Lesen Sie die Webseite von Emdebian für weitere Informationen.

2.5. Netbook-Unterstützung

Netbooks, wie der Eee PC von Asus, werden jetzt von Debian unterstützt. Schauen Sie sich eeepc-acpi-scripts für den Eee PC an. Auch enthält Debian eine neue, leichtgewichtige X11-Desktop-Umgebung (lxde), die Netbooks und anderen Computern mit relativ geringer Leistung nützt.

2.6. Java jetzt in Debian

Die OpenJDK-Java-Laufzeitumgebung openjdk-6-jre und Entwicklungssatz openjdk-6-jdk, benötigt zur Ausführung von der Java-GUI und Webstart-Programmen, ist jetzt Teil von Debian. Die Pakete werden mittels der IcedTea-Bauunterstützung und Patches vom IcedTea-Projekt erstellt.



[1] Mit einigen Elementen aus GNOME 2.20