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Debian GNU/Linux 2.1 installation; Für Intel x86 - Kapitel 10
Nächste Schritte und wie weiter


10.1 Ist Unix Neuland für Sie?

Wenn Unix Neuland für Sie ist, dann sollten Sie in einen guten Buchladen gehen und sich ein Buch zu Linux oder Unix im allgemeinen kaufen. Die Unix-FAQ enthält eine Reihe von Verweisen auf Bücher und Usenet Newsgroups, die einen guten Einstieg bieten. Sie möchten vielleicht ebenfalls die User-Friendly Unix FAQ lesen.

Linux ist eine Implementation von Unix. Das Linux Documentation Project sammelt eine ganze Anzahl von HOWTOs. Unter Linux Online -- Help Center finden sich auch viele Hilfstexte, sogar solche in deutscher Sprache. Die Pakete doc-linux-de, manpages-de und manpages-de-dev enthalten deutsche Manpages und HOWTOs. Ein Teil dieser Dokumentation liegt nach Installation dieser Pakete unter /usr/doc/LANG/de.


10.2 Orientierung innerhalb von Debian

Es gibt einige Unterschiede zwischen Debian und anderen Distributionen. Selbst wenn Sie Linux und andere Distributionen bereits kennen, gibt es einige Dinge, die Sie wissen sollten, um Ihr System in einem guten und sauberen Zustand zu halten. Dieser Abschnitt dient Ihrer Orientierung. Es ist nicht als Tutorial gedacht, um die Benutzung von Debian zu beschreiben, sondern als kurzer Überblick über das System für Eilige.

Das wichtigeste Konzept, das man verstehen muß, ist die Paketverwaltung von Debian. Im wesentlichen muß man akzeptieren, daß große Teile Ihres System unter der Kontrolle der Paketverwaltung stehen. Diese beinhalten:

Wenn Sie zum Beispiel /usr/bin/perl ersetzen, wird das zuerst funktionieren. Aktualisieren Sie jedoch Ihr perl-Paket, dann wird die Datei durch die aus dem Paket ersetzt. Erfahrene Anwender können dieses verhindern, indem sie das entsprechende Paket auf hold setzen oder dpkg-divert benutzen.


10.3 DOS/Windows reaktivieren

Nach Installation des Basis-Systems und des Master Boot Records, gelangen Sie beim Booten des Rechners automatisch zum LILO und können plötzlich nur noch Linux booten. In diesem Abschnitt wird beschrieben, wie Sie die alten Systeme wieder aktivieren.

LILO ist ein vollständiger Boot-Manager, mit dem nicht nur Linux gebootet werden kann, sondern auch jedes andere System, das sich an die im PC vorherrschenden Konventionen hält. Konfiguriert wird dieser Boot-Manager über die Datei /etc/lilo.conf. Wann immer Sie diese Datei ändern, müssen Sie das Programm lilo aufrufen, um die Änderungen tatsächlich zu übernehmen. Da im Boot-Block nur wenig Platz zur Verfügung steht, müssen die benötigten Informationen auf kleinstem Raum zusammengefaßt werden. Daher kann die Konfigurationsdatei nicht beim Booten gelesen werden.

Wichtig in diesem Zusammenhang sind die Zeilen, die mit image und other anfangen sowie die nachfolgenden Zeilen. Diese Schlüsselwörter dürfen mehrfach verwendet werden. Jedes bezeichnet ein System, das von LILO gebootet werden kann. Ein solches System kann einen Kernel, eine Root-Partition, zusätzliche Kernel-Parameter etc. umfassen oder ein anderes (nicht-Linux, other) System booten. Die Reihenfolge dieser Systeme ist entscheidend, denn das erste wird automatisch gebootet, wenn die Wartezeit (siehe delay) abgelaufen ist und LILO nicht durch Drücken der Shift-Taste angehalten wurde. Nach einer Erstinstallation existiert lediglich ein solches System, welches das aktuelle System bootet.

Um ein zweites Linux-System zu booten (z.B. unter Verwendung eines anderen Kernels), müssen Sie die Datei /etc/lilo.conf um folgende Zeilen ergänzen:

     image=/boot/vmlinuz.neu
       label=neu
       append='mcd=0x320,11'
       read-only

Lediglich die ersten beiden Zeilen sind erforderlich. Um die Bedeutung der nachfolgenden Zeilen Zeilen zu erfahren, lesen Sie bitte in der Dokumentation zu LILO. Um ein anderes System als Linux zu booten, verwenden Sie das Schlüsselwort other wie folgt:

     other=/dev/hda1
       label=windows


10.4 Weitere Informationen

Wenn Sie Informationen zu einem bestimmten Programm suchen, sollten Sie zuerst man programm und info programm ausprobieren.

Eine Menge an hilfreicher Dokumentation befindet sich ebenfalls in /usr/doc. Insbesondere /usr/doc/HOWTO und /usr/doc/FAQ enthalten viele interessante Informationen.


10.5 Kernel selbst kompilieren

Warum soll man denn einen neuen Kernel kompilieren? Meistens ist es nicht nötig, da der Standard-Kernel von Debian die meisten Konfigurationen abdeckt. Trotzdem kann es sinnvoll sein, einen neuen Kernel zu kompilieren -- es bringt

Einen neuen Kernel zu kompilieren ist nicht so schwierig wie es scheint -- es bringt sogar Spaß und schadet nicht.

Um einen neuen Kernel mit Debian zu kompilieren, brauchen Sie ein paar zusätzliche Pakete: kernel-package, kernel-source-2.0.36, bin86, fakeroot und ein paar andere (sie sollten alle durch die Abhängigkeiten auch installiert werden -- mehr dazu in /usr/doc/kernel-package/README.gz). Beachten Sie, daß Sie den Kernel nicht so kompilieren müssen, wie wir es vorschlagen. Wir finden jedoch, daß es sicherer und einfacher ist, das Paket-Management-System zu verwenden. In der Tat können Sie die Kernel-Quellen direkt von Linus holen und Sie müssen nicht unbedingt kernel-source-2.0.36 benutzen.

Im Folgenden nehmen wir an, daß Ihre Kernel-Sourcen in /usr/local/src liegen und Sie die Version 2.0.36 des Kernels haben. Wechseln Sie mit cd nach /usr/local/src und packen Sie die vorher installierten Kernel-Sourcen mit

     tar xzvf /usr/src/kernel-source-2.0.36.tar.gz

aus und wechseln Sie nun in das Verzeichnis (mit cd kernel-source-2.0.36/). Jetzt konfigurieren Sie Ihren Kernel z.B. mit

     make xconfig

wenn Sie unter X11 arbeiten oder mit

     make menuconfig

auf der Konsole. Nehmen Sie sich Zeit, die Online-Dokumentation zu lesen und wählen Sie sorgfältig aus. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ist es im allgemeinen besser, einen Geräte-Treiber mehr zu haben als einen zuwenig. Andere Optionen, ausser den Hardware-Treibern, sollten Sie auf den Standard-Einstellungen lassen, wenn Sie die Einstellungen nicht verstehen. Vergessen Sie nicht, Kernel daemon support und Loadable module support auszuwählen (beide sind nicht standardmäßig angewählt), anderfalls werden Sie Probleme haben.[10]

Säubern Sie die Kernel-Sourcen und setzen Sie die Parameter des kernel-package zurück:

     /usr/sbin/make-kpkg clean

Jetzt geht es daran, mit

     fakeroot /usr/sbin/make-kpkg --revision=custom.1.0 kernel_image

den neuen Kernel zu kompilieren. Sie können die Versionsnummer ``1.0'' natürlich nach Belieben ändern, sie dient nur dazu, daß Sie Ihre verschiedenen Kernel unterscheiden können. Das Kompilieren kann eine ganze Weile daueren, je nachdem wie schnell Ihr Computer ist.

Wenn Sie PCMCIA-Unterstützung benötigen, müssen Sie anschließend das pcmcia-source-Paket installieren. Packen Sie die Sourcen als root ins Verzeicnis /usr/src aus (es ist wichtig, daß die PCMCIA-Sourcen dort liegen, wo sie erwartet werden, das heißt /usr/src/modules). Als root führen Sie

     make-kpkg modules_image

aus.

Wenn die Kompilierung des Kernels abgeschlossen ist, installieren Sie das neu entstandene Paket wie jedes andere. Als root führen Sie dazu

     dpkg -i ../kernel-image-2.0.36-subarch_custom.1.0_i386.deb

aus, wobei subarch eine mögliche Unterarchitektur ist, abhängig davon wie Sie Ihren Kernel konfiguriert haben (zum Beispiel i586). Der obige Befehle installiert nicht nur Ihren blanken Kernel, sondern auch noch ein paar nützliche Dateien. Darunter befinden System.umap, nützlich wenn man Fehlern im Kernel auf die Spur kommen will, und /boot/config-2.0.36 mit Ihrer aktuellen Kernel-Konfiguration. Die Installation des Pakets kümmert sich auch um LILO, sodaß Sie LILO nicht mehr aufrufen müssen. Wenn Sie Module erzeugt haben, dann müssen Sie diese ebenfalls installieren.

Jetzt ist es an der Zeit, den Rechner neu zu booten. Lesen Sie zuerst sorgfältig alle Warnungen, die die vorhergehenden Schritte ausgegeben haben und booten Sie dann das System mit

     shutdown -r now

neu. Weitere Informationen zu kernel-package finden Sie in /usr/doc/kernel-package.


10.6 Literatur

Nach der erfolgreichen Installation Ihres Debian GNU/Linux Systems weiht Sie das Linux Anwenderhandbuch in die Geheimnisse von Linux ein.


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Debian GNU/Linux 2.1 installation; Für Intel x86
version 2.1.11, 28 August, 1999
Bruce Perens
Sven Rudolph
Igor Grobman
James Treacy
Adam Di Carlo
Christian Leutloff
Alexander Harderer
Philipp Frauenfelder
Martin Schulze