IFIT 2003 -- Bericht

Podiumsdiskussion

Der Informationstag Freie Informationstechnologien (IFIT) ist die erste derartige Konferenz, die vom Arbeitskreis Wissenschaft und Verantwortlichkeit (WuV) der Universität Innsbruck organisiert wurde. Die Konferenz wurde ähnlich wie Freie Software organisiert, so dass viele Personen durch kleine Beiträge zur Organisation beigetragen haben. Obwohl der IFIT selbst nur als eine eintägige Konferenz gedacht war, fand am Freitagabend bereits eine Podiumsdiskussion statt.

Eine Podiumsdiskussion ist normalerweise interessant zu verfolgen, da die Themen normalerweise von Experten diskutiert wurden. Dieses Mal waren allerdings drei Politiker (ein vierter hatte vorher abgesagt) auf dem Podium. Die Diskussion begann mit einer Einführung in das Thema Open Source und war eher ein Quiz "Finde die ersten Hundert Fehler". Sie war wirklich kaum auszuhalten. Die Politikerin hat so ziemlich alles durcheinander gebracht, was sie konnte.

Es war jedoch eine gute Idee vom Moderator, die Zuhörer in die Diskussion einzubinden und ihnen eine Chance zu geben, Fragen an die Podiumsteilnehmer zu stellen. Nur der Vertreter einer Partei (Die Grünen) schien das Thema überhaupt verstanden zu haben und gab klare Aussagen pro Open Source und contra Software-Patente ab. Die anderen brachten es durcheinander und befürworteten sogar Patente.

Ein kleines Buffet gab anschließend Raum für weitere Diskussionen zwischen Referenten, Besuchern und Organisatoren. Nachdem die Universität geschlossen war, wurden die Diskussionen in einem nahe liegenden Hotel fast bis zum Morgengrauen fortgeführt. Obwohl das ganz normal für Konferenzen ist, die sich mit Freier Software beschäftigen, schien es vollkommen ungewöhnlich für die Veranstalter zu sein.

Informationstag Freie Informationstechnologien

Die Tagung besteht aus Vorträgen und Workshops sowie einer kleinen Information-Lounge, in der sich das Debian-Projekt, der Verein zur Förderung Freier Software (FFS) in Österreich und die Linux User Group Tirol neben mehreren kommerziellen Ständen präsentieren konnten. Während der Vorträge waren die Stände jedoch kaum besucht und nur das Standpersonal befand sich in der Info-Lounge.

In den Workshops informierten die Referenten die Zuschauer über den Einsatz von Freier Software im Bildungsbereich sowie in Behörden und Firmen. Es wurde mehrfach hervorgehoben, dass einige Ziele und Produkte nicht mit proprietärer und Lizenz-behafteter Software hätten erreicht werden können. Freie Software hat neue Möglichkeiten und Chancen eröffnet.

Der Debian-Vortrag hat offengelegt, wie die Entwicklung im Debian-Projekt vonstatten geht. Der Referent hat die Vorteile des offenen Entwicklungsmodells, die verwendeten Mechanismen und das Framework vorgestellt, die dafür sorgen, dass das Projekt nicht im totalen Chaos endet. Er hat die Art und Weise zusammengefasst, wie Entwickler zusammenarbeiten und wie wichtige Änderungen diskutiert und umgesetzt werden.

Am Ende des Tages behandelte der abschließende Vortrag die Zukunft freier Informationstechnologien und stellte die Gefahren in den Mittelpunkt, die Freie Software und Technologien bedrohen. Das umfasst unfreie Standards und Hardware, die größte Gefahr liegt jedoch in der gesetzlichen Anerkennung von Softwarepatenten und dem Zugestehen von Trivialpatenten wie Fortschrittsbalken oder dem Speichern von Audio-Daten.

Nach dem Vortrag wurde ein kleines Buffet geboten, so dass die Diskussionen fortgesetzt werden konnten, bis die Universität erneut geschlossen wurde. Ein griechisches Café hat den Diskussionen anschließend Raum gegeben, allerdings nicht ganz so lange wie am Vortag.

Die meisten Vorträge und Workshops wurden digital aufgezeichnet. Die Video-Mitschnitte werden von den Organisatoren des IFIT zur Verfügung gestellt. Eine Best-of DVD wird ebenfalls produziert. Details dazu werden auf der Mailingliste angekündigt.

Martin Schulze